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historischer Tatsachen auch im weitern Sinne, so daB darunter auch alle mittelbaren, dem Willen auBeren Ursachen verstanden werden.

434. 3. Von den Motiven, welche die Handlungen der einzelnen Menschen beeinflussen, sind diejenigen zu unterscheiden, welche auf ganze Massen einwirken und Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens im Gefolge haben. Im Gegensatz zu den individuell-psychischen Ursachen nennt man sie gewöhnlich sozi al -psychische. Die Motive, welche auf die Massen einwirken, sind zwar wesentiich nicht verschieden von denen, die den einzelnen beeinflussen. Weil aber die Beweggründe oft auf die Glieder einer unter gleichen Bedingungen lebenden Masse von Menschen gleichförmig wirken, tassen wir die Masse als moralische Einheit auf, die von jenen Motiven geleitet wird. Es kommen hier namentlich die sog. grofien Ideen in Betracht, wie sie als kurzer Ausdruck gewisser Strebungen und Tendenzen in gewissen Epochen gepragt werden, z. B. die Idee des Imperialismus, des Demokratismus, des politischen Fortschritts, der Lehrfreiheit und dgl.

435. 4. Neben den durch Vermittlung der Erkenntnis als Zweckursachen auf den Willen einwirkenden Motiven gibt es noch einige Krafte der menschlichen Natur selbst, welche die Wahlfreiheit physisch beeinflussen und bei einer allseitigen Bewertung der historischen Tatsachen nicht zu übersehen sind. Der Wille ist zwar eine geistige Macht, aber doch organisch mit dem Leib verbunden und deshalb auch den Einflüssen des Körpers zuganglich. Bekannt ist z. B., daB das körperliche Befinden wie Frische oder Ermüdung günsiig oder ungünstig auf die Spannkraft des Willens einwirki Ferner können die Leidenschaften, d. h. die Betatigungen des sinnlichen Strebevermögens wie Liebe, Freude, HaB, Trauer, Zorn, Furcht den Willen beeinflussen, indem sie sich gleichsam zwischen Erkenntnis und Willen einschieben und so den letztern an der ruhigen Betrachtung der Motive hindern oder indem sie den Willen durch das sinnliche Streben auch gegen die bessere Erkenntnis zu einem Gegenstande hindrangen oder von ihm abziehen (Mut und Hoffnung z. B. beleben, Furcht und Trauer lahmen die Willenskraft). Verwandt mit den Leidenschaften und ahnlich in seinem EinfluB auf den Willen ist das nach der physischen und psychischen Eigenart der einzelnen verschiedenartig gestaltete Gemüt. Unter diesem verstehen wir die dauernde Fahigkeit zu den Betatigungen des sinnlichen Begehrungsvermögens, insofern sie (mittelbar) aus der geistigen Erkenntnis hervorgehen und naturgemaB von Betatigungen des Willens begleitet sind. Der EinfluB des Gemütes wird sich also auch in den historischen Betatigungen kundtun und zwar nach Art des Gemütes in verschiedener Weise. So wird ein heftiges und leicht erregbares Gemüt auf die Handlungen eines Herrschers einen andern EinfluB ausüben, als ein stilles und ruhiges Gemüt

Der Forderung, bei der Bewertung der geschichtlichen Tatsachen auch den Momenten der Leidenschaften und des Gemütes gerecht zu werden, verleiht man gemeiniglich Ausdruck, indem man sagt, es

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