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nisse, Ziele und Tatigkeiten (vgl RvNostitz-Rieneck S. }., Das Probtan der Kultur 1888).

442. jede Zeit hat nun ihren Kulturzustand und jeder einzelne steht mehr oder weniger unter dem EinfluB derselben. Sein gesamtes Denken, Fühlen und Wollen wird durch die verschiedenen Kulturideen beeinfluBt ahnlich wie das Sehen beeinfluBt wird durch die verschiedenen Grade und Arten des ihn umflieBenden Lichtes. Man hat dieser Tatsache auf mannigfache Weise Ausdruck verliehen: jeder ist ein Kind seiner Zeit, jeder steht unter dem EinfluB seiner Umwelt, seines Milieus (Taine). Die geschichtlichen Tatsachen werden wir darum nur dann nach ihrem engern Zusammenhang vollstandig verstehen, wenn wir den betreffenden Kulturzustand, dem die Ereignisse angehören, kennen lernen und die Beziehungen zwischen ihm und den gegebenen Tatsachen feststellen.

443. Beispiele für den EinfluB der Bedingungen: Der Wohnort mit seinen mannigrachen Beziehungen zur Bodengestalt, zum Klima, zur Pflanzenund Tierwelt, zur Gebirgswelt, zum Wasser in seinen verschiedenen Formen als Meer, See, FluB, Oletscher usw bleibt nicht ohne Rückwirkung auf die Schicksale der einzelnen Menschen, ganzer Gemeinden und Völker. Viele Stadte, die an einem natfiriichen Durchgangspunkt lagen, entwickelten sich zu groBen Handelsplatzen. Der Reichtum mancher Lander an Handelswaren veranlaBte das Blühen von Verkehr, förderte Reichttum und schuf die Mittel zu reger Pflege von Kunst und Wissenschaft. Die tropenartige Natur Indiens zog das von Phantasie, Schwarmerei, trager Traumerei beherrschte Volk der Inder heran. Hellas mit seinem milden Himmel, seinen Naturschönheiten und seinem fruchtbaren Boden war das Land der Griechen mit ihrem Kult des Schonen und der harmonischen Ausbildung des Oeistes. Auch die Bedingungen der natfiriichen. Zeit fibten von jeher einen erheblichen EinfluB auf die Willensentschliefiungen der Menschen. So spielte der Mondlauf stets eine groBe Rolle im liturgischen Leben der Völker. Die Witterungsverhaltnisse bedingen u. a. die Anlage der Wohnhauser, das Klima die Art der Bekleidung, die jahreszeiten die Auswahl der Nahrungsmittel, die Art des Reisens, den Beginn von Kriegsunternehmungen. Die Nachtzeit begunstigt die Werke des Diebstahls und anderer Vergehen. Die wirtschaftlichen Erscheinungen hangen in vieler Hinsicht ab von den Naturbedingungen, wie von der Fruchtbarkeit eines Landes, dem Ertrage der Ernten, der witterung, von politischen Ereignissen wie Friede, Unruhen, Kriegen, von Arbeits- und Verkehrsmöglichkeiten, vor allem aber auch vom geistigen Zustand eines Volkes.

444. 3. Die Gelegenheiten der historischen Tatsachen. Die Gelegenheiteil bewir-

ken nicht, daB der Wille überhaupt handelt, sondern sie sind nur der AnlaB, daB er schneller, leichter, tatkraftiger durch die vorgehaltenen Motive sich bestimmen laBt. Die Nacht ist für den Feind nicht Ursache seines VorstoBes, wohl aber eine Gelegenheit welche ihn den VorstoB leichter und ungestörter vollziehen laBt. Das schwache Auftreten einer Regierung zur Zeit schwerer auBerer oder innerer Unruhen war haufig für die Gegenpartei die Gelegenheit, um sich in den Besitz der Gewalt zu setzen. Eine scharfe auslandische Konkurrenz oder die straffe Organisation des eigenen Handels- und Arbeitsverkehrs sind weder eigentliche Ursache noch Bedingung für die Belebung und den Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens eines Volkes, wohl aber eine Gelegenheit

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