Geen zoekvraag opgegeven

Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

445 4 Die Mittel oder Instrumentalursachen der historischen Tatsachen. ■ Zur

völli'gen Erfassung einer historischen Tatsache gehort auch die Erkenntnis der Mittel, mit denen sie vollbracht wurde. Die Mittel smd teils pysische, teils moralische. Bei der Betrachtung der Mittel mussen wir vor allem ihr Verhaltnis zum gewollten Zweck und zum tateachhch erreichten Ziel erforschen. Wir werden dann finden, daB der M.Berfolg haufig den ungenügenden Mitteln zuzuschreiben ist, andrerseits der groBe Erfolg oft auf den geeigneten Mitteln beruht. Rache Ausstattung an physischen Mitteln, wie treffliche Bewaffnung einer Knegsheeres, entschied öfters durch siegreiche Schlachten oder durch trzwingung eines dauernden Friedenszustandes die Geschicke ganzer Völker auf lange Zeit hin. Oft triumphierte in der Weltgeschichte eme Persönlichkeit durch das Mittel eines überragenden moralischen fcmflusses über die rohe Oewalt leidenschaftlicher Volksmassen. Manche Erfindung miBlang, weil die bereitstehenden Mittel zur Ausführung des Problems nicht ausreichten. Im Mittelalter rafften die Seuchen so zahlreiche Menschen hinweg, weil sie mit ungenügenden Mitteln bekampft wurden.

§. 3. Die Erkenntnis der Faktoren des innern Zusammenhanges.

446 Die Tatigkeit des Kritikers bei der innern Verknüpfung besteht darin, daB er zu den gegebenen Tatsachen andere nicht direkt gegebene Tatsachen als Ursache, Wirkung, Bedingung, Gelegenheit, Mittel richtig hinzufügt oder daB er zwischen mehreren gegebenen Tatsachen den nicht gegebenen Zusammenhang auffindet. Der Einfachheit wegen berücksichtigen wir im Folgenden nur die ErschlieBung der Kausalbeziehungen; die dafür geitenden Prinzipien finden im wesentlichen dieselbe Anwendung auch bei den anderen Beziehungen.

447. 1. Wir setzen zunachst den Fall, daB zu einer gegebenen Tatsache eine andere nicht gegebene Tatsache als Ursache oder Wirkung hinzuzufügen ist. Haufig können wir durch eine Prüfung der Natur und der nüheren Umstanden der gegebenen Tatsache finden, daB jene so einSeitig bestimmt waren, daB die Tatsache mit ihren konkreten Umstanden nur eine Ursache bzw nur eine Wirkung haben konnte. In vielen anderen Fallen, wo wir im Zweifel sind, ob eme Tatsache als Ursache an sich verschiedene Wirkungen bzw eine Tatsache als Wirkung an sich verschiedene Ursachen aufweisen könnte, laBt sich die Erganzung oft mit hoher Wahrscheinlichkeit nach der Analogie anderer uns bekannter Tatsachen vollziehen.

Sehr schwierig gestaltet sich haufig die Erforschung der unmittelbaren Ursache einer historische Tatsache, also des ihr zugrunde liegenden Willensentschlusses und seiner Motive, falls namlich diese in der Überlieferung nicht mitgeteilt werden. In solchen Fallen sind wir gezwungen, die unbekannten Beweggründe durch Analogieschlüsse oder durch Subsumption des historischen Faktums unter die sog. historieken Qesetze wenigstens mit einiger Wahrscheinlichkeit zu erschlieBen

Sluiten