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Geiste der Menschen gleichsam ein besonderes Heimatrecht erlangt haben und darum die ihnen widersprechenden Vorstellungen als unangenehm empfinden und leicht abweisen. So bewerten z. B. die. meisten Menschen in der Reihe der Lander und Völker am höchsten ihre Heimat und ihre Nation, auch wenn jene ein einfaches Heidedorf oder eine triviale Fabrikstadt ist und das Volk ohne Geschichte und ohne EinfluB dasteht; so schatzen sie gewöhnlich den Bildungsgang am meisten, den sie selbst durchgemacht haben; so hangen sie tast restlos den Anschauungen derjenigen Kreise an, in denen sie aufgewachsen sind oder in denen sie leben. Für zahlreiche Menschen bilden aber diese einseitige Stellungnahme und die mit ihnen notwendig verbundenen Vorurteile eine unübersteigbaré Grenze für das richtige Verstehen all der auBeren und inneren Erscheinungen, die mit diesen Vorurteilen nicht übereinstimmen. Daher denn auch die unübersehbare Zahl von MiBverstandnissen und Irrtümern im gesellschaftlichen Verkehr, im politischen Leben der Völker, auf dem Gebiet der Wissenschaften und im besondern bei geschichtlichen Darstellungen. Welche Herrschaft die Vorurteile gemeiniglich auf das Denken und Empfinden der Menschen ausüben, zeigt schon manche auf einen einfachen Vortrag folgende Diskussion und so manche lebhafte Unterhaltung einer auch nur kleinen Gesellschaft von Menschen.

454. 2. Die weitanschauung. 1. Unter der Weltanschauung verstehen wir die Gesamtanschauung,- die wir von der Ordnung der Welt haben, also vor allem von der Beziehungen zwischen Sein und Denken, zwischen Sein und Werden, zwischen VieJheit und Einheit, zwischen der Welt und einem auBerweltlichen göttlichen Wesen, ferner von der Entstehung und dem Ziel der uns umgebenden Dinge und vor , allem des Menschen selbst. Die Weltanschauung eines Mensehen durchdringt sein gesamtes und darum auch sein geschichtliches Denken und Empfinden; an ihr ermiBt man das Einzelne wie das Gesamtgeschehen. Ist die Weltanschauung die richtige, so besteht für den Forscher weniger Gefahr zu falscher Auffassung geschichtlichen Geschehens; ist sie aber falsch, so ist es für ihn unmöglich, zu einer richtigen objektiven Auffassung der geschichtlichen Tatsachen zu gelangen. Seiten prüfen namlich die Menschen die einmal angenommene Weltanschauung auf ihre Richtigkeit. Das Erringen einer umfassenden Weltanschauung ist für sie gewöhnlich etwas so Schwieriges und ihr Besitz etwas so eng mit ihrem ganzen Wesen Verknüpftes, daB sie von derselben auch um vieler historischer Fehler, Unstimmigkeiten und Irrtümer nicht ablassen. Deshalb stellt die Weltanschauung für sie aber auch eine Fehlerquelle ersten Ranges dar.

2. Ein ehrlicher, die Wahrheit über alles liebender Forscher wird aber nicht allein nach Erlangung der einzig richtigen Weltanschauung streben, um so das geschichtliche Geschehen ojektiver beurteilen zu können, sondern er wird auch in die Weltanschauung anderer einzudringen suchen, weil er nur auf diese Weise ihr Denken und Fühlen, ihre Motive und die dadurch bestimmten Handlungen verstehen

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