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kann namlich seiten das ganze geschichtliche Material, das der Forscher in seinem Geiste aufbewahrt, wiedergeben. Zu diesem Zweck sucht sie durch die Funktion der Zusammenziehung oder Verdichtang (Konzentration) gröBere Vorstellungsreihen in wenigere und kürzere unter Beibehaltung des wesentlichen Inhaltes umzuwandeln. Dabei strebt sie danach, die Hauptmomente, welche öbrigens auch so bereits durch das einheitliche Thema nahegelegt werden (z. B. bei einer Biographie das Persönliche) hervorzukehren und um jene Hauptmomente die anderen Momente je nach ihrer Bedeutung und ihrem Zusammenhang mit den Hauptmomenten zu gruppieren. Der Zwang, die groBe Mannigfaltigkeit und Vielseitigkeit des Geschehens durch Vereinfachung faBbarer zu gestalten, zeigt sich bereits bei der Erzahlung eines einfachen Erlebnisses, in der dasselbe auf wenige einfache Haupttatsachen eingeschrankt wird. In den zahlreichen Möglichkeiten der Auswahl der Tatsachen und ihrer Beziehungen liegt nun aber eine gewisser AnlaB zu Fehlgriffen und eine gewisse Gefahr für subjektiven Einschlag in die geschichtliche Darstellung oder für falsche Beurteilung, die nur durch ein ruhiges kritisches Abwagen gemieden werden kann. Oft kommt der Lauf der Dinge selber der Auswahl zu Hilfe, indem namlich mit fortschreitender Zeit viele wichtige Einzelheiten des Geschehens zurücktreten und dadurch das Wichtige, das Entscheidende, das schwerwiegendere Folgen nach sich zog, mehr in den Vordergrund trilt Auf diese Weise ergibt sich von selbst eine natürliche Auslese des geschichtlichen Materials.

Eine notwendige Folge der Auswahl des Stoffes besteht darin, daB bei der geschichtlichen Darstellung vieles übergangen, manches vereinfacht und haufig das stille Tun und Handeln der anonymen Mitspieler als Kollektivbetatigung oder als Zustand zusammengefaBt wird.

458. 3. Ein zweites Erfordernis einer guten Darstellung ist eine zugleich logische wie sachgemaBe Disposition. Nur muB der Forscher sich vor dem nicht seltenen Fehler hüten, daB er die Darstellung in eine geographische oder zeitliche Anordnung hineinzwangt die den tatsachlichen Vorgangen und Erscheinungen Gewalt antut, oder daB er das geschichtliche Geschehen unter gewisse den Wissenschaftssystemen entnommene Kategorien einreiht, die dem objektiven Lauf der Tatsachen nicht entsprechen.

459. 4. DaB jede Darstellung sich auch durch Objektivitat auszeichnen muB, braucht kaum eigens hervorgehoben zu werden; denn die Darstellung bringt ja die Resultate der historischen Forschung, deren eigentliche Aufgabe die Ermittlung der objektiven Wahrheit der Erscheinungen ist nur zum Ausdruck, kleidet sie gleichsam nur in ein auBeres Gewand.

460. 5. Eine vollkommene Darstellung darf die Einzelzüge der Ereignisse und der Entwicklung der geschichtlichen Tatsachen nicht broeken aneinanderreihen. Das Bild der Vergangenheit soll nicht kalt und leblos

Feder, Hist. Methodik. 12

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