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erstehen, sondern es mu8 die versunkene Welt sich vor dem geistigen Auge gleichsam in ihrer Unmittelbarkeit und Wirklichkeit wieder auftun. Diese Wirkung wird durch die Plastik der Darstellung erreicht. Bei derselben spielt die Kombinationsgabe des Verstandes und der Phantasie eine groBe Rolle. Deshalb wird sich notwendig die Eigenart und die Begabung des Forschers wie ein unsichtbares Band zwischen Forscher und Leser schlingen, doch darf die Freiheit der plastischen Darstellung ihn nie daran hindern, strengstens zu scheiden zwischen dem, was wahr ist, und dem, was nur wahrscheinlich ist

1) Eine plastische Darstellung ist zunachst nicht möglich ohne Ansckaulichkeit. Diese soll die vergangenen Tatsachen in der Vorstellung aufs neue zu einem Leben erwecken, wie es ehedem in Wirklichkeit gewesen isi Nicht seiten greifen nun Historiker, um Erscheinungen und Zustande früherer Perioden recht anschaulich zu schildern, zu Begriff en und Ausdrücken, besonders technischen Ausdrficken, die erst einer spatern Zeit, meist der jeweiligen eigenen Gegenwart angehören. Die Folge ist dann, daB der Leser die Ideen und Verhaltnisse dieser Gegenwart auf die Vergangenheit übertragt und so eine falsche Auffassung der letztern erhalt. Umgekehrt fehlten viele Historiker im Mittelalter dadurch, daB sie die Verhaltnisse und Vorgange ihrer eigenen Zeit mit Begriffen und Ausdrficken schilderten, die der langst untergegangenen klassisch-lateinischen Welt angehörten, so daB das Verstandnis jen er Zeit dem heutigen Leser sehr erschwert ist

Ein anderer haufiger Fehler, der aus einem falschen Streben nach Anschaulichkeit hervorgeht, ist der Gebrauch von Kollektivbegriffen und -urteilen in Fallen, wo diese Begriffe und Urteile nicht mehr als Vertretungen der durch sie bezeichneten Elemente gelten dürfen, sondern wo sie als Übertreibungen zu betrachten sind. So werden manchmal Handlungen und Tendenzen einem ganzen Volk, einer ganzen Partei, einer ganzen Gemeinde zugeschrieben, die in der Tat nur gewissen Teilen des Volkes, der Partei, der Gemeinde angehören.

461. 2) Die plastische Darstellung wird zweitens dahin streben, daB sie die enger zusammengehörigen Ereigniskomplexe, z. B. den auBern Verlauf einer Schlacht, die Versuche, MiBerfolge und Erfolge eines Erfinders, die religiöse Entwicklung eines Herrschers, die Blüte einer Kunstperiode in ein Bi ld zusammenfaBt, das einerseits eine gewisse rahmenhafte Geschlossenheit aufweist, andrerseits aber doch nicht von dem natfiriichen Zusammenhang mit dem übrigen Geschehen losgelöst ist Auf der einen Seite sollen wir zwar wegen der Beschranktheit der menschlichen Erkenntnis jeden Zug des historischen Bildes mehr oder weniger ffir sich isoliert betrachten können, auf der andern Seite müssen wir uns aber bewuBt bleiben, daB jeder Zug seinen vollen Erkenntniswert erst dann besitzt, wenn er im Lichte wenigstens der nachsten vorhergehenden Ursachen und der nachsten nachfolgenden Wirkungen erscheint; denn auch in der Wirklichkeit des Geschehens war ja kein Moment des dargestellten Bildes in der Isoliertheit, sondern nur in steter Verflechtung mit Ereignissen verschiedenen Charakters

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