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verlaufen. In der aufgestellten Forderung unterscheidet sich die geschichtliche Darstellung von einem einfach künstlerischen Bilde (etwa Gemalde oder Drama), das gleichsam ein inselhaftes Eins bildet und dessen Inhalt mit seinen Grenzen mehr oder weniger abgeschlossen ist

462. 3) Der Plastik der Darstellung dient ferner die konkrete Schilderung individuelier Eigenart oder die Individualisierung der Erscheinungen, namentlich der Charaktere von Persönlichkeiten, oder die Anführung von einzelnen Zügen, Handlungen oder Tatsachen, welche die besondere Eigenart der betreffenden Erscheinung oder Person bestimmt und klar kennzeichnen. Vor allem soll uns eine Lebensbeschreibung keine Schablone, sondern ein lebendiges Portrat zeigen. Bereits der hl. Hieronymus hat in der Vorrede zum Leben des hl. Hilarion mit Entschiedenheit auf die Notwendigkeit solcher Individualisierung bei Hagiographen hingewiesen:

Quamquam enim sanctus Epiphanius Salaminae Cypri episcopus, qui cum Hilarione plurimum versatus est, laudem eius brevi epistola scripserit, quae vulgo legitur, tarnen aliud est locis communibus laudare defunctum, aliud defuncti proprias narrare virtutes MSL 23, 29. — Beispiele für ausgepragte Darstellung individuelier Eigenart s. bei MHuber, Die Nachahmung der Heiligen in Theorie und Praxis 1 (1916) 42 ff; s. besonders ebenda die Beschreibung des Witwenschmerzes der hl. Franziska von Chantal.

Der Plastik entgegen ist aber die sogenannte Anhaufung (Kumulation) von Zügen derselben Charakterart, wie sie namentlich sich oft in Lebensbeschreibungen findet Eine solche Anhaufung wirkt nicht nur monoton, sondern sie weckt auch den Eindruek, als ob das Leben der dargestellten Person eine ununterbrochene Kette von Charakterzügen der geschilderten Art gewesen sei. Der weniger geschulte Leser wird nicht merken, daB im Leben jener Person auch viele Züge anderer und manchmal entgegengesetzter Art vorkommen.

463. 4) Haufig bedient sich die plastische Darstellung auch des Mittels der Stellvertretung, indem sie zur Kennzeichnung eineS Charakters, eines Zustandes, einer Entwicklung, eines Massen vorganges die eine oder andere typische und charakteristische Tatsache hervorhebt. Die Anwendung dieses überaus plastisch wirkenden Mittels erfordert natürlich eine groBe Klugheit und Gewandtheit, damit vom Leser wie von selbst auch die nötigen SchluBfolgerungen auf die nicht ausdrücklich geschilderten Momente gezogen werden können.

464. Die methodische Darstellung eines geschichtlichen Gegenstandes schlieBt dessen wissenschaftliche Erforschung im Einzelfall ab, indem sie die gewonnenen Resultate der übrigen Funktionen der historischen Methodik möglichst ungetrübt anderen zur Kenntnisnahme übermittelt Es steht somit auch sie im Dienste der, letzten Aufgabe alles geschichtlichen Forschens: nach Möglichkeit für sich und andere eine sichere Erkenntnis von den Vorgangen, Erscheinungen und Zustanden zu gewinnen, welche als Einzeltatsachen oder als zusammenhangende Tatsachengruppen nur Momente der groBen Entwicklungsreihe der Geschichte der Menschheit selbst bilden.

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