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daB jede Urkunde in zwei Exemplaren ausgefertigt wurde, von denen das eine vom Grafen, das andere aber vom Abt besiegelt wurde? Das ware ein Fall, wie er beispielsweise in der schon oben (S. 32, 82) erwühnten Urkunde des Bischofs Wilhelm vom 28. Dez. 1063 OB I 85 vorliegt. Sie enthalt einen Vertrag mit dem Abt von Echternach über eine Reihe von hollahdischen Pfarrkirchen und ist vor der Zeugenreihe von Bischof Wilhelm und seinem Vogt und Abt Reginbert und seinem Vogt unterzeichnet. Die Besiegelung ist so angekündigt: Ne quis autem hanc paginam falsam putet, eam sigillo nostro utrimque signamus. Das besagt deutlich: die für den Abt bestimmte Ausfertigung wurde vom Bischof, die für den Bischof bestimmte vom Abt besiegelt1). Aber bei den Urkunden OB I 98 und 103 iöt die Annahme einer doppelten Ausfertigung unzulüssig. Es sind nicht Vertrüge, sondern Privilegiën; der Abt erscheint nicht als VertragschlieBende Partei, sondern als Intervenient. Die Corroboratio beider Urkunden ist somit so zu verstehen, daB sie nur in je einem Exemplar ausgefertigt und an ihm beide Siegel befestigt waren. Die Einzahl „sigillo" spricht keineswegs gegen diese Deutung; heiBt es doch beispielsweise in der Urkunde des Abtes von Echternach von 1156 OB I 134: sigillo sancti Willibrordi et nostri (abbatis), das heiBt mit dem Konvents- und Abtssiegel. \

Ist aber die in OB I 98 und 103 angekündigte Besiegelung in diesem Sinne aufzufassen, so können beide Urkunden nicht vor der zweiten Halfte des 12. Jahrhunderts entstanden sein, da an nordniederlandischen Urkunden erst seit dieser Zeit mehrfache Besiegelung vorkommt, wie unten (Kap. VII 5) naher dargelegt ist.

Betrachten wir das Formular von OB I 98 und 103 etwas naher, so machen wir die merkwürdige Entdeckung, daB es sich stellenweise an die Utrechter Urkunde Karl Martells von 722 anlehnt, die als erste in Bischof Ratbods Kopiar überliefert ist:

0 Die Bemerkungen von Blok über diese Urkunde im Nederlandsen Archievenblad 1917/1918 S. 225 sind deshalb nicht annehmbar.

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