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Schultern über, als sasse er gar nicht auf dem Hals. Und auf den Brüsten, unter dem dichten Puderstaub, lauerten gelblich-rötliche Flecke, Insekten nicht unahnlich.

Seit dieser Nacht erfuhr Frau Matzner, dass das Leben vorbei war. Sie hatte sich niemals Illusionen gemacht. Sie war gesonnen, das Alter ebenso mutig anzupacken, wie sie einst ihre Jugend, ihren Beruf, ihre Manner, ihr Geschaft angepackt hatte. Jede Stunde ihres Lebens hatte sie sich genaue Rechenschaft über sich abgelegt. Sie kannte sogar die Teufel, denen sie Zeit ihres Lebens ausgeliefert war und hatte sie fast alle bei Namen nennen können. Aber einen jener Teufel des Alters kannte sie nicht, der sich oft zu den einsamen Greisinnen schleicht, ihre Herzen verhartet und ihre modernden Sinne mit einer neuen Wollust erfüllt: die Geldgier. Sie fühlte nicht, wie sie immer geiziger und geldgefrassiger wurde.

Es ereignete sich freilich auch sonst etwas, was ihr selbst den Anschein eines berechtigten Geizes oder einer Sparsamkeit vortauschen durfte: das Haus „ging" nicht mehr. Wie oft wechseln die Moden in der Welt! Das Haus der Matzner kam aus der Mode. Zwei neue erstanden, eins in der Nahe der Wollzeile und ein anderes in der Vorderen Zollamtsstrasse. Auch die Madchen, die der Frau Matzner treu blieben, wurden alt — ünd die jungen wurden treulos. Wo waren die Zeiten dahin, wo Frau Matzner noch sagen konnte: „Meine Kinder sind alle Gold!" und wo diese goldenen Kinder sie mit den fröhlichen Stimmen junger Vögelchen „Tante Finchen" oder „Finerl" riefen? Jetzt sagte man „Frau Matzner", und die Kinder erinnerten nicht mehr an Gold, eher an das Kupfer, das sie noch dem Hause eintrugen. „Es kommt nur noch Kreuzer'l-weis'!" — stöhnte die Matzner.

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