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XXX.

Dieses Jahr brachte einen frühen Frühling. Im Marz warmte bereits eine maienhafte Sonne. Mit einer jahen übersatten Kraft blühte der Goldregen in den Garten. Die Amseln übertönten alle Gerausche der Stadt. Zusehends breiter und wuchtiger wurden die hellgrünen Blatter der Kastanien und ihre Kerzen dufteten herb, stolz, weiss und ragend. Sogar die hurtigen Schwalben schienen in diesem Jahr zutraulicher zu sein. Hart über den Köpfen der Passanten schossen sie vorbei, friedliche Pfeile des Himmels. Vom Kahlenberg wehte ein standiger sachter Atem in die Stadt. Die Mauern und das Pflaster erwiderten ihm dankbar und zartlich mit ihrem eigenen besondern Atem. Und wenn der Abend kam, konnte man von jedem Punkt der Stadt das gütige Rot der Sonne die Spitze des Stefansturms liebkosen sehn. Es roch nach erwachendem Hollunder, nach dem frischen Brot der Backerladen, deren Türen weit offen standen, nach dem Hafer in den Sacken vor den Fiakergaulen, nach jungen Zwiebeln und Radieschen von den Markten.

An einem solchen Tage, morgens um neun Uhr vierzig, wurde Mizzi Schinagl aus der weiblichen Strafanstalt entlassen. Ihre Entlassung war für Taittinger seit Wochen ein Grund gewesen, nicht so bald auf das Gut zurückzukehren.

Manchmal, wenn er so allein sass, in einem der frühreif erblühten Gasthausgarten der Wiener Vorstadte, der Wein ihn traurig gemacht hatte und die Luft zugleich heiter, führte er stumme Zwiesprache mit sich selber. Er steilte sich Fragen, auf die er keine Antwort wusste Nicht sein Gewissen plagte ihn! Ob die Mizzi durch seine Schuld ins Haus der Matzner gekommen war oder nicht, beschaftigte ihn schon deshalb nicht, weil er

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