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überhaupt nichts von jüdischem Wesen und jüdischer Eigenart. Sie waren ganz so, wie sie gern selbst gewesen ware, wie sie nie sein würde. In Johanna frass eine unersattliche Unruhe, die sie voran trieb. Sie wusste selbst nicht wohm. Diese Unruhe liess nicht zu, dass man fein und still war. Sie larmte, schrie und trieb und trieb. In dieser Beziehung glich sie eher den Buben ihrer Generation. Da sitzen in der Klasse ihres Bruders ~ er sechzehn Jahre — Jungen wie er, aus klemburgerhchen Verhaltnissen der Leopoldstadt. Es sind Söhne von Fleischhauern, Altwarenhandlern, deren Vorfahren keine andere Schule als den Cheder und sich keine andere Bildung als das Talmudstudium und Kenntnisse der jüdischen Literatur angeeignet hatten. Aber die über Talmudfolianten krumm gewordeneD Rucken der Vorfahren sind ein gewaltiges Sprungbrett für den hochschiessenden neuen Geist und anders gerichteten Ehrgeiz der Jungen.

Mancher dieser Sechzehnjahrigen schreibt unter seiner gnechischen Grammatik in der Schule an klassischen Dramen, in denen gewaltige Reden fliessen, meist in strengen Hexametern, die selbst Hölderlin als zu hellenisch und mondscheinumflossen vorgekommen waren. Man schickt das fertige Manuskript an den bartigen Halbgott, Arthur Schnitzler. Und Schnitzler, Freund und Berater der Voranstürmenden, antwortet, dankt, ermutigt. Man tragt dieses Wunder, diesen Schnitzlerbrief, Tag und Nacht bei sich, ist durch ihn zum Dichter geweiht, auf den die Welt schon wartet. Andere wieder leben fast nur auf dem vierten Rang des Burgtheaters, schon da und dort an zu starrer Tradition, an Unjungem ihre kritische Feder versuchend oder in Begeisterung lodernd über Adolf, Ritter von

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