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Wenn Marianne lauter und langer als die andern Mitschiilerinnen über den Jargonausdruck lachte, so wollte sie Johanna nicht, wie diese annahm, blosstellen oder verachtlich machen. Sie fand den Ausdruck auch gar nicht so komisch. Niemand in der Klasse fand ihn komisch. Die christlichen Madchen lachten aus Nachahmungstrieb, und das Podium nahm an der allgemeinen Heiterkeit überhaupt nicht teil. Dem Podium war die Ursache dieses Gaudiums wirklich unerfindlich. Sie hatten das Wort „der Spazier" nie gehort, ihnen erschien es nur unangenehm, peinlich, und die kleine Johanna tat ihnen eher leid.

Aber das Gros der jüdischen Mitschülerinnen lachte im Chor, Marianne an der Spitze. Johanna konnte natürlich nicht wissen, dass sie mehr aus eigener Not als aus Heiterkeit lachten. Bei vielen von ihnen fiel zu Hause das Wort „jüdisch" nur noch in Yerbindung mit jüdischer Hast, jüdischer Unmanier, jüdischem Yorwitz. Ihnen allen und ganz besonders Marianne war, seit die Stiefmutter befehligte, der Begriff „ Jude" nur noch eine Last, von der man bei jeder Gelegenheit etwas loszuwerden anstrebte. Und darum verspottete man die kleine Johanna, um darzutun, wie himmelfern man schon diesen Dingen war.

Die Erinnerung an diese peinliche Szene bemachtigte sich wieder Johannas ohnehin bedrückten Gemüts. Wie gebrandmarkt stand sie am Fenster, starrte in das trübe Licht der Gaslaternen und weinte. Ihrem leidenschaftlichen Naturell fehlte jedes Mass und die Vorstellung, dass Schmerz vorübergehe. Alles, was sie tat, tat sie mit tiefster Hingabe. Und so fügte sie ihrem Schmerz noch einen Stachel bei durch die qualende Yermutung, ihr sei aus dieser sprachlichen Tücke das

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