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gass fast automatisch seine Missgriffe, und er verfehlte nie, sie bei jedem Anlass zu erinnern, wenn sein Rat ihr vielleicht auch einmal von Nutzen gewesen war. Sie erkannte das gern an, schatzte ganz besonders seine exakte Buchfiihrung, und so kam es, dass dieser an sich arbeitsscheue und fast nichtstuende Mensch sich in seinem Hause doch wie ein König vorkam, auch wenn ihn seine Frau, mehr instinktiv als aus Absicht, nicht an die Regierung liess. Sie bestatigte ihn in seiner Uberzeugung, er sei eigentlich „die Seele des Geschafts", und er dankte ihrs, indem er von den Kindern verlangte, sie sollten „alle Hochachtung" vorm Fleiss der Mutter haben. Eine Forderung übrigens, die jedes kindliche Gemüt nur als Redensart hinnimmt und bewertet.

Herr Deutsch hatte aber den typisch jüdischen Respekt vor der geistigen Leistung eines Menschen. Aus gelegentlichen Gesprachen mit dem Hauslehrer glaubte er herausgehört zu haben, dass er ein Buch über die Juden und die Frauen geschrieben habe. Es war Herrn Deutsch eine Ehre und eine Genugtuung, dass unter seinem Dach solch grosse Dinge vor sich gingen, und seine Achtung vor Josef Stadler stieg noch mehr. Zwar hielt er ihn für einen et was verworrenen Sonderling, aber für hochbegabt, fürchtete nur manchmal, er könne sich zuviel zumuten. Jedenfalls nahm er ihn stets gegen die Angriffe seiner Frau in Schutz. Sie fand immer wieder etwas an dem Hauslehrer auszusetzen und blieb ihm gegenüber voll Misstrauen.

Ihr war unbegreiflich, wie ein junger Mensch „von heute" nur Sinn für alte, dicke Folianten haben konnte und womöglich noch selber sowas schrieb. Mommsen und Nietzsche und Schopenhauer und Hegel, lauter

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