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und stach sehr gegen die anmutigen, beweglichen Wienerinnen ab. Jeder ihrer Schritte mass einen halben Meter, und das gab besonderen Anlass zu Spott. Dazu kam die Sprache. Friederike sprach ein korrektes Hochdeutsch; aber gerade das geht den Wienern auf die Nerven. Sie vertragen kein korrektes Deutsch. Sie wollen ihre Art der Sprache, und sie wollen auch weiterhin in Seelenruhe sagen können: ich habe den Hut am Kopf — ich gehe bei der Tür herein — schaue beim Fenster heraus — ich lies ein Buch — und ich kann ihm (mit Bezugnahme auf ,eahm') nicht leiden. So hat man in Wien immer geredet — beim Greisler und in der hohen Aristokratie. Des Wieners besondere Abneigung aber gilt dem Imperfektum. Das rangiert glattweg als Zungenfehler. Aber dies alles hatte man noch hingenommen, wenn da nicht dieses besondere Idiom gewesen ware, dieser bekannte preussische Tqnfall. Nirgends liebt man ihn. Seine Kadenz und die des Jiddischen sind wohl von allen Dialekten der Erde die, über die man die meisten Witze macht, und denen man am meisten aus dem Weg geht. Das eine wird eben als „deutsch" empfunden, und das andere gleichfalls als zu anmassend.

Beim österreicher hat es mit dieser Abneigung noch eine besondere Bewandtnis. Die norddeutsche Aussprache passt ihm nicht in die Landschaft, passt nicht zu der Heiterkeit seines Barocks. Sie passt nicht zu seinem heurigen Wein und nicht zu seinen Volksliedern. Der Preusse stampft seine Sprache, der österreicher singt sie, singt jedes Wort noch mit hinein ins nachste. Für eine Schulklasse, und vielleicht darüber hinaus, ist das ein wesentlicher Unterschied. Liebe und Sympathie gehen die verschiedensten Wege. Das Ohr ist

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