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christlichen hohen Beamtentöchter mieden sie so, wie man in ihren Kreisen in deutschen Schulen Jüdinnen zu meiden pflegte.

Ubrigens gab es einen Punkt, in dem sie die ganze Klasse übertraf — das war ihre peinlich gewissenhafte Ordnungsliebe. Nie kam sie zu spat, nie hatte sie ein Heft, eine Aufgabe vergessen. Ihre Arbeiten, ihre Bücher waren stets vollendet sauber, ihre Schultasche. ihr Etui fiir Bleistifte und Federhalter nach einem wahren System geordnet. Hier war sie wirklich unerreichbar, und auch ihr Gedachtnis funktionierte in dieser Hinsicht wie ein Prazisionsapparat. Die Lehrer konnten sich blind auf sie verlassen. Wenn sie vergessen hatten, wo man stehn geblieben war — Friederike wusste es. Wenn man versehentlich ein Thema wiederholte, Friederike merkte es sofort und steilte es richtig. Oft wusste sie die betreffende französische oder englische Regel selbst nicht; aber sie wusste auswendig die Seite und den Abschnitt, wo sie in der Grammatik zu finden war. Die Lehrer schatzten gewiss diese Qualitaten, aber manchmal waren sie ihnen zu eklatant und etwas lastig. Anfanglich hatten sie Friederikes Ordnungsliebe als vorbildlich hingestellt, gaben es aber bald auf. Denn — wie das einmal so ist — sie wussten, dass einem bei jemandem, den man so ganz ohne Grund, so völlig instinktiv nicht mag, auch Tugenden auf die Nerven gehen, zuweilen so sehr, dass man die eigenen Fehler mehr liebt als die Yorzüge des andern.

Heute aber, vor der Generalprobe, umstand die gesamte Klasse Friederike mit mehr Anteilnahme, als man im ganzen Semester für sie übrig hatte. Man schlug ihr vor, zur Feier ein geblümtes Volantkleid

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