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tektion eines Jungen in S.S.-Uniform, der früher zu ihrer Klientel gehort hatte, war der Braven die Verhaftung erspart geblieben. „Und jetzt singen sie jeden Abend das Horst Wessel-Lied in meiner schonen Bude", steilte die Schwalbe wehmütig fest. David Deutsch — derartig nervös und übersensibel, dafi er auf bestimmte Worte reagierte wie auf die Berührung eines eisigen Windes — schauerte zusammen und bewegte gequalt die Schultern. „Das Horst WesselLied!" wiederholte er und blickte hilfesuchend um sich, als erbate er von den anderen Trost oder doch mindestens eine Erklarung.

Er war einer der treuesten Gaste der Schwalbe gewesen, wahrend Marion und Martin, sozial entschieden höher gestellt als das eigentliche SchwalbenPublikum, sich nur zuweilen hatten sehen lassen — immer ein wenig wie groBe Herren, die es manchmal belustigt, in ein inferiores Milieu hinabzusteigen. Die „Patronne" hatte, trotzdem, eine entschiedene Sympathie für die Beiden; ja, sie mochte sie im Grunde lieber als den armen David, von dem sie, nicht ohne eine gewisse Verachtlichkeit, zu sagen pflegte: „Ach, der ist ja so entsetzlich gescheit! Der weiB ja alles!"

Marion und Martin waren Jugendfreunde. Marion stammte aus einer sehr guten, Martin aus einer mittelfeinen Familie, übrigens waren sowohl die alten Korellas als auch Marions Mutter, Frau von Kammer, ziemlich verarmt. (Herr von Kammer war vor Jahren gestorben). Marion hatte als Schauspielerin zwar noch keine groBen Erfolge gehabt und war mit fast allen machtigen Berliner Theaterdirektoren verkracht; aber ihre Leistungen in einigen literarischen MatinéeAufführungen hatten doch von sich reden machen.

Viele von Marions Freunden gehörten zu den links gerichteten Schriftstellern oder Politikern, die bei den Nazis am verhaBtesten waren und eingesperrt

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