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auch noch eine Zeitung ! SchlieBlich konnte Bernheim nicht für Alles aufkommen! Fraulein Sirowitsch sagte zu Herrn Nathan-Morelli, der ihr, die Zigarette im Mundwinkel, mit etwas verachtlicher Galanterie lauschte: „Manche Dinge bei Schopenhauer sind unübersetzbar. Er benutzt Wendungen, die sich in keiner anderen Sprache wiedergeben lassen." Theo Hummler versicherte der Schwalbe: „Ich hatte prachtvolles Menschenmaterial in meinen Volksbildungs-Kursen. Der Wissensdrang dieser jungen Leute, die tagsüber in den Fabriken arbeiten, hat geradezu etwas Rührendes. Was wir in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut haben, wird nun grausam zerstört..." — Plötzlich war auch noch ein junges Madchen in schwarzem Abendkleid da. ,,Ich heiBe Ilse 111", steilte sie sich selber vor. „Ich bin Kabarettistin", fügte sie hinzu und lachte triumphierend. Überraschender Weise schwenkte sie eine Reitpeitsche mit Silbergriff, als ware sie, hoch zu Rosse, über die Boulevards heran gesprengt gekommen, von ihrer schwarzen Robe umflattert wie die Göttin von einer Wolke. „Gestern habe ich noch in Berlin gesungen", rief sie aus, und blickte drohend um sich, gleichsam fragend: Wagt hier jemand, mir zu widersprechen ? — „Kolossalen Erfolg gehabt. — Na, damit ist vorlaufig SchluB!" erklarte siehöhnisch, wie von einer wilden und narrischen Wut gegen sich selber und gegen ihr eigenes Schicksal ergriffen. — „Das scheint ja eine gewaltig überspannte Person zu sein", flüsterte Herr Bernheim dem Professor Samuel zu. Er traf nicht die mindesten Anstalten, ein Getrank für Ilse 111 zu bestellen: entweder, weil er es unpassend fand, daB sie sich selber vorgestellt hatte; oder einfach, weil sie ihm nicht sympathisch war. — „Sie ist aber ganz begabt", raunte beschwichtigend Samuel. „Ich habe sie in Berlin einmal singen horen."

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