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„Liebte er Deutschland so sehr?" fragte Martin, ein wenig zerstreut. Er beobachtete Kikjou, der mit der Schwalbe sprach.

„Ja, er liebte es von ganzem Herzen," bestatigte Helmut Kündinger ernst. „Obwohl er Nicht-Ariër war. Darüber hatten wir uns niemals Gedanken gemacht. Plötzlich steilte sich dann heraus, daB sein Blut fast achtzigprozentig jüdisch war. Nun war seine Stellung unter den Kommilitonen natürlich erschüttert. Auch ich setzte mich Unannehmlichkeiten aus, weil ich weiter mit ihm verkehrte. Aber das schadete nichts. Schrecklich war nur, Zeuge seines inneren Zusammenbruchs zu sein. Mein Freund konnte seine neue Lage gar nicht fassen. Gerade er, der für die Harte und die Tiefe des deutschen Menschen so begeistert gewesen war, sollte sich nun als ein Auslander — schlimmer: als ein Schadling — empfinden. Er fühlte sich furchtbar gedemütigt. Als dann ein paar junge Leute, die früher zum engen Zirkel unseres Verkehrs gehort hatten, ihn auf offener StraBe beleidigten, geriet er ganz in Verzwei flung. Man muB sich das vorstellen: Man hatte Hölderlin und George miteinander gelesen, und nun schrieen sie ihm: Judensau! zu. Sie waren allerdings besoffen, als sie das taten; aber die Gemeinheit bleibt trotzdem unbegreifiich. — Ich weiB gar nicht, woher mein Freund den Revolver hatte. Und wieso konnte er eigentlich schiefien ?" Helmut Kündinger fragte es entsetzt und dringlich, als ob Martin im Stand ware, ihm Antwort zu geben. „Er hat sich mitten ins Herz getroffen. Für mich hinterlieB er nur einen Zettel: ,Ich will dir nicht langer zur Last fallen.' So bitter war er zum SchluB geworden." Helmut verstummte. Seine blauen Augen hatten sich mit Tranen gefüllt. Martin wollte gerne irgend etwas Tröstliches auBern; es fiel ihm aber

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