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Der kleine Helmut Kündinger kam vorbei und schaute sie traurig an. „Gefallt es Ihnen in Paris?" erkundigte er sich bei Martin auf seine korrekte und schüchterne Art. „Es ist eine herrliche Stadt. Ich bin den ganzen Tag spazieren gegangen und war auch lange im Louvre. Aber ich muBte immer an meinen Freund denken, der dies alles so genossen hatte . . Da man ihn nicht dazu aufforderte, sich an den Tisch zu setzen, wünschte er schmerzlich einen guten Abend und ging langsam weiter.

Gegen Mitternacht sagte Martin: ,,Wir könnten noch ein biBchen in mein Hotel gehen. Es ist zwei Minuten von hier. Mir scheint, ich habe sogar noch ein biBchen Whisky ..."

Auf der Treppe, im Hotel „National", begegnete ihnen Marion.

„WeiBt du schon das Neueste ?" sagte sie zu Martin. „Meine Mama und Tilly sind heute in Zürich angekommen."

„Nein, sowas!" sagte Martin. „Wie muB es in Deutschland aussehen, wenn sogar Frau von Kammer es nicht mehr ertragt ? — Willst du noch einen Schnaps mit uns trinken, Marion ?"

„Danke", sagte Marion. „Ich falie um vor Müdigkeit. Unterhaltet euch gut! Viel Vergnügen!"

Frau Geheimrat Marie-Luise von Kammer hatte mit ihren beiden jüngeren Töchtern, Tilly und Susanne, am 16. April 1933 die deutsche Heimat verlassen: kaum zwei Wochen nachdem ihr altestes Kind, Marion, nach Paris in die Emigration gegangen war. Frau von Kammer — plötzlich vor die Wahl gestellt, in welchem Lande sie am liebsten wohnen wolle — entschied sich, nach nur kurzem Schwanken, für die Schweiz, wo sie mit ihrem Gatten beinah jedes Jahr die Ferienwochen zugebracht hatte. In der

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