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Haltung, den Bliek starr geradeaus gerichtet. Tilly — die noch vor einer Viertelstunde sehr argerlich auf ihre Mutter gewesen war — spürte jetzt nur noch Mitleid. Sie überwand ihre Scheu und Befangenheit, die sie sonst in Gegenwart der Mama selten los wurde; vorsichtig streichelte sie die magere, harte Hand ihrer Mutter.

Frau von Kammer war leicht zusammen gefahren; beinah hatte sie den Arm weggezogen. Sie hielt aber stille. Die kleine Liebkosung tat wohl. Mit einer ganz weichen, etwas heuchlerischen Stimme sagte sie: „Es war wohl nicht sehr unterhaltend bei Krügis — wie ? Mir scheint, sie haben sich recht verandert. Früher ist es viel zwangloser und netter bei ihnen gewesen. Vielleicht war Frau Krügi durch irgend etwas praokkupiert. . ."

„Sei nur still, Mama!" Tilly schmiegte sich enger an die Mutter. „Wir müssen ja nicht mehr zu den Leuten. Wir wollen überhaupt nicht mehr solche Besuche machen — versprichst du mir das ?"

Nun fand Frau von Kammer doch, daB ihre Tochter zu weit ging. Das war wieder jene Neigung zur Hemmungslosigkeit, die Marie-Luise so fremd und sogar beangstigend schien. „Es ist sehr wichtig für uns, daB wir von der Züricher Gesellschaft empfangen werden," sagte sie, nicht ohne Strenge, und nahm wieder Haltung an. „Morgen sind wir zum Tee bei Wollenwebers."

Tilly seufzte und lieB die Hand ihrer Mutter los. —

Frau von Kammer war in allen gesellschaftlichen Dingen von Sensibilitat und prompt reagierendem Taktgefühl. Jetzt aber dauerte es ziemlich lange, bis sie es verstand und sich klar machte, daB sie in der Gesellschaft, der sie sich, ihrer Herkunft und Erziehung, wie ihrer Neigung nach, zugehörig fühlte, unerwünscht war. Nur sehr allmahlich begriff sie,

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