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DRITTES KAPITEL

Professor Benjamin Abel war dreiundvierzig Jahre alt und gehorte zu den angesehensten jüngeren Literaturhistorikern der deutschen Universitat. Er war Privatdozent in Heidelberg gewesen und hatte im Jahre

1929 einen Ruf als Ordentlicher Professor an die Universitat Bonn erhalten, was für einen jüdischen Gelehrten, und gerade für einen Germanisten nichtarischer Abkunft, damals schon eine besondere Ehrung bedeutete; denn der Antisemitismus an den deutschen Hochschulen war penetrant, noch ehe er zur Staatsreligion erhoben wurde.

In Bonn hatte sich Professor Abel einer starken Beliebtheit bei den Studenten erfreut; sein Kolleg über die deutsche Romantik war starkerfrequentiert worden als die Vorlesungen über „Friedrich Schiller und die nationale Idee", die sein Kollege, deralte Geheimrat von Besenkolb, im gleichen Semester hielt. Geheimrat Besenkolb war früher Alldeutscher, dann Deutschnationaler gewesen; am Tage nach dem ersten groBen Wahlsieg der Nazis erschien er vor seinem Auditorium mit einem kleinen, jedoch nicht zu übersehenden Hakenkreuz im Knopfloch seines Jackettaufschlages.

Besenkolb, ein aufrechter Greis mit bösen, stahlblauen Augen, weiBem Knebelbart und stark hervortretenden blaulichen Adern auf den Handrücken und auf der mehrfach gebuckelten, hohen, kalkweiBen Stirn — Geheimer Rat Maximilian Freiherr von Besenkolb — hatte eine vernichtende Art, mit knapp andeutendem Kopfnicken den etwas ironisch-devoten GruB seines Kollegen Abel zu erwidern. Seit dem Herbst

1930 erschien der Geheimrat in keiner Gesellschaft mehr, wenn die Hausfrau ihm nicht vorher die Zusicherung gegeben hatte, daB Professor Abel nicht zugegen sein würde.

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