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mehr in Anspruch denn je. Anette Lehmann versicherte ihrem alten Freund, er könne sich keine Vorstellung davon machen, was für ein Auftrieb und freudiger Elan im „neuen Deutschland" spürbar sei. Ja, die liebe alte Anette schrieb wirklich: „im neuen Deutschland" . . .

In der Tat: dem Professor war ganz und gar nicht danach zu Mute, sich die Stimmung freudigen Elans in Köln am Rhein und im Antiquitatenladens Anettens auszumalen. Ihm schien das Wort „Deutschland vergiftet. Er dachte es nie ohne Qual, und da er es haufig dachte, hatte er ein groBes MaB an Qualen auszuhalten. Darauf war er kaum gefaBt gewesen: daB er, als nicht mehr ganz junger Mann, noch ein Gefühl, einen zehrend heftigen Affekt würde kennen lernen und gründlich erfahren müssen, der ihm seiner ursprünglichen Anlage, seiner Erziehung und seinem Temperament nach so fern gelegen hatte: den HaB.

Wie lange war es her, daB er keine Zeitungen, oder nur die unpolitischen Rubriken in den Blattern gelesen hatte? Nun verfolgte er, mit gierigleidender Spannung, jede neue Schandtat oder Dummheit, Infamie oder Entgleisung, die das verhaBte Regime dort drüben -sich zu Schulden kommen lieB. Er las alles, merkte sich alles. Mit tausend Einzelheiten, immer neuen und immer krasseren Details nahrte er das qualende und berauschende Gefühl seines Hasses.

Besonders qualend und erst recht berauschend wurde es dadurch, daB er es in so vollkommener Einsamkeit ertrug. Er erwog kaum die Möglichkeit, mit anderen Emigranten — die doch mindestens die Gefühle „HaB und Heimweh" mit ihm gemeinsam haben muBten — den Kontakt zu suchen. Die Idee, HaB und Schmerz fruchtbar zu machen — sich, um ihretwillen, in eine kampferische Front, in irgend eine

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