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von Trance, in die sie verfiel, wenn sie die Feder ins TintenfaB tauchte — und es entstanden die endlos langen, konfusen, übrigens fast unleserlichen Briefe, die sie an berühmte und ihr meistens fremde Personen adressierte. Dichtern und Professoren, Malern und Schauspielerinnen, Dirigenten und Politikern ihr gepeinigtes Herz auszuschütten, war zum einzigen Vergnügen geworden, das sie sich gönnte. Solche Liebhaberei bedeutete für sie einen Luxus, und zwar einen recht leichtsinnigen, üppig unstatthaften. Das Briefporto spielte in ihrem Etat eine beangstigende Rolle, und wenn es sich gar noch um Doppelbriefe handelte, — was haufig vorkam —, und sie obendrein noch dem inneren Drang nachgeben muBte, das schwere Schreiben rekommandiert und express zu senden, so hieB es gar manches Mal, tagelang auf eine warme Mahlzeit verzichten und sich mit altem WeiBbrot und lauem Tee begnügen, damit nur all die fremden Berühmtheiten aus ihrer Morgenpost erführen, wie melancholisch und interessant das innere Leben der Frau Viola beschaffen war.

Heute schrieb sie an Frau Tilla Tibori — was sie sich schon lange vorgenommen hatte; denn diese Schauspielerin war ihr eine der liebsten in Berlin gewesen. „Verehrte Frau!" Friederikens Feder eilte knirschend übers Papier. „Auch Sie hat unser gemeinsames Unglück in ein fremdes, unwirtliches Land verschlagen." (Die Markus hatte zufallig Tillas Züricher Adresse durch gemeinsame Bekannte in Erfahrung gebracht. ),,Hören Sie die Klage und das Bekenntnis einer Leidensgenossin . . ." An dieser Stelle stutzte sie plötzlich, als hatte eine Stimme sie angerufen. Sie hob ruckhaft den Kopf. Wahrend ihre . Blicke irr ins Leere glitten, sprach sie mit einer kleinen, zirpend hohen Stimme: „Ja — Gabriel — wo

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