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schaftigte sich mit groBen Handarbeiten, oder sie schüttelte den Kopf über der Lektüre der Zeitung; oft saB sie auch nur einfach da und grübelte, oder sie schrieb auf Zetteln lange Zahlenkolonnen unter einander, um sich auszurechnen, ob sie mit ihrem Monatsgeld auskommen konnte. Es schien fast nicht möglich; aber es muBte sein. Wenn nur das Schulgeld für die kleine Susanne nicht so teuer gewesen ware. Die schrieb weiter ihre korrekten, ziemlich inhaltslosen Briefe aus dem Internat. Auf ihre trockene Art teilte sie mit, daB sie über nichts zu klagen habe. Sie war ehrgeizig, besonders was den Sport betraf. Stolz berichtete sie von ihrem Sieg auf einem Tennis Tournier, oder bei einer Schwimmkonkurrenz. Mit den anderen jungen Madchen vertrug sie sich gut. Vor allem lag ihr daran, nicht aufzufallen; eine unter vielen, ein „Durchschnittsmadel" zu sein. Frau von Kammer muBte ihre nette-" KI eider und feine Wasche schicken: das war nötig aus Prestigegründen. Essollte dem Kind nicht zu BewuBtsein kommen, daB sie armer war als alle, mit denen sie in der Klasse saB. Um keinen Preis hatte Susanne es sich selber oder anderen zugegeben, daB sie in dem Zirkel von jungen M adchen solide-wohlhabender Herkunftein Ausnahmefall und ein „fremdartiges'Element" bleibenmufite—: ihre Familie lebte unter gar zu anderen Umstanden und Verhaltnissen als die Angehörigen der übrigen Schülerinnen. Einmal hatte sie empörtan die Mutter geschrieben: „Die Berta Baudessin aus Hannover ist sehr frech zu mir gewesen und hatgesagt: .Ihrseidja nur Emigranten.' Das ist doch eine Gemeinheit und auch gar nicht wahr. Du hast mir gesagt, es ist nur wegen Deiner Gesundheit, daB Du in der Schweiz leben muBt, statt in Berlin. So ist es doch, Mama?" — Solche Zeilen las MarieLuise nicht ohne Sorge. ,Das Kind gibt sich falschen Vorstellungen hin," sprach sie kopfschüttelnd.

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