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und einer Brille im runden, gutmütigen, intelligenten Gesicht. Am ersten Abend, als er Tilly traf, traute er sich kaum, mit ihr zu reden. Er schaute sie an. Als sich dann herausstellte, daB sie den letzten Zug nach Rüschlikon versaumt hatte, erbot er sich, sie nach Hause zu bringen. „Es ist ein schoner Spaziergang," sagte er ernst. Unterwegs sprach er nicht viel. Dann sahen sie sich beinah jeden Tag.

Tilly war wahrend des letzten Jahres viel hübscher geworden. Es schien, als hatte die lange Traurigkeit sie verschönt. Ihr helles, weiches Gesicht wurde ernst gerahmt vom glatten, rötlichen Scheitel. Die schrag gestellten, langen, schwermütig zartlichen Augen führten eine sanfte, eindringliche Sprache. Besonders gefiel den Mannern ihr üppiger Mund, von dem Konni immer gesagt hatte, da!3 er so „schlampig" wirke.

Sie hatte viele Verehrer, sowohl unter den Emigranten, die sich vorübergehend oder dauernd in Zürich aufhielten, als auch unter den jungen Schweizern, die sie hier und dort traf. Ihre etwas rundlichen, etwas tragen Glieder waren anziehend, und ihr feuchter Bliek verlockte. Die meisten Manner waren wild nach ihr. Von den Emigrantenhatten viele lange keine Frau gehabt. Sie waren gierig nach Liebe. Tilly wirkte wie eine, die nicht schwer zu erobern ist. Alle wollten gleich mit ihr ins Bett. Aber sie mochte das nicht. Sie dachte immer noch an ihren Konni, und sie rechnete heimlich damit, ihn bald wieder zu sehen. Nur einem hatte sie vielleicht nachgegeben: das war Konnis Kamerad in Prag, H.S., mit dem sie weiter korrespondierte. Den kannte sie nicht einmal; aber sie erwartete sich viel von ihm. Wenn das Schlimmste wahr werden und ihr Konni wirklich nicht mehr in Erscheinung treten sollte —: H.S. würde eines Tages da sein . . .

Den Peter Hürlimann mochte sie gern. Seine Liebe

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