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besten, sie verheimlichte dem Hürlimann die ganze Sache. Mit dem „Ehegatten", von dem sie einen PaB wollte anstatt ein Kind, würde sie persönlich ja wohl kaum viel zu tun haben müssen. Ubrigens konnte man sich bald wieder scheiden lassen. — Sie schwieg Hürlimann gegenüber und bat die Freunde aus dem Café, auf Gattensuche für sie zu gehen.

Es war nicht so einfach. Bei jedem der jungen Leute, mit denen die Bekannten sich in Verbindung setzten, gab es einen anderen Hinderungsgrund. Der eine hatte schon eine Braut, der andere eine Familie, die ihm einen so verwerflichen Akt wie die Scheinehe nie verzeihen würde; der dritte wollte viel Geld, der vierte war aus religiösen Gründen gegen das Ganze; der fünfte erklarte, daB er eine so schwerwiegende Gefalligkeit nur einer kommunistischen Gesinnungsgenossin erweisen könne, der sechste sparte sich und seinen PaB für eine jüdische Glaubensgenossin auf; der siebente, der achte und der neunte wollten gleichfalls ziemlich viel Geld.

SchlieBlich empfahl man Tilly eine Rechtsanwaltin, die sich auf dergleichen Dinge verstehen sollte. Sie verdiene ihren Unterhalt mit Arrangements solcher Art, deuteten die Caféhaus-Bekannten an—; sei aber auch eine Idealistin.die umderguten.antifascistischen Sache willen, emsig, preiswert und gewandt, PaB-Ehen stifte.

Frau Doktor Albertine Schröder wohnte in einer kleinen Pension, nahe dem Bahnhofplatz. Tilly war überrascht, daB die Anwaltin sie, nachmittags um drei Uhr, im Bett empfing. Über einem Nachthemd, das nicht ganz sauber schien, trug sie eine Art von Frisierjacke, hellblau, mit Spitzen garniert. Sie war eine altere Frau; Tilly taxierte: zwischen fünfzig und sechzig. Um ein aufgeschwemmtes, fahles Gesicht hingen die grauen Strahnen ihrer aufgelösten Frisur.

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