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ernst und bekam die schmalen, unheilverkündenden Augen. „Aber für eine Gesinnungsgenossin, eine tapfere kleine Antifascistin riskiere ich was," sprach sie bieder.

Dann erklarte sie, dafl sie gerade zufallig einen sehr sympathischen jungen Schweizer „auf Lager" habe: ,,aus guter jüdischer Familie; kommt sehr in Frage; werde ihn gleich mal anlauten." Sie zog den Telephon-Apparat an sich heran — mit einer merkwürdig zartlichen Gebarde, so wie eine Mutter ihr Kind an sich zieht — und wahlte die Nummer. — „Kann ich den jungen Herrn Nathan sprechen ? — Ach, er ist nicht zu Hause ?" Sie schien sehr enttauscht. „Er soll doch bitte die Frau Doktor Schröder anrufen,

sowie er zurückkommt. Etwas Wichtiges! Na,

wir werden das Kind schon schaukeln!" verhiefl sie, nachdem sie eingehangt und den Apparat wieder von sich geschoben hatte. „Der kleine Nathan ist gar nicht übel. Politisch tadellos; hübscher Bursch, brauchen sich mit ihm auf dem Standesamt nicht zu schamen. Kolossal anstandiger Kerl; wird Ihnen keine erpresserischen Geschichten machen."

Tilly stand auf. „Sie werden sicher so liebenswürdig sein, mir gleich Nachricht zu geben, wenn Sie von dem Herrn gehort haben."

„Ganz recht, Kindchen." Die Anwaltin bekam fürchterlich schmale Augen. „Aber erst müssen wir noch den geschaftlichen Teil der Sache erledigen, damit es keine MiBverstandnisse gibt. Mit dem jungen Nathan werden Sie sich leicht einigen, er dürfte nicht anspruchsvoll sein. Was mich betrifft ..." — sie saB aufgerichtet im Bett und hielt sich sie hellblaue Frisierjacke mit einer nervösen Bewegung über dem Busen zusammen —, „so gewahre ich Ihnen meine Hilfe aus Idealismus, aus selbstlosem Interesse an Ihrem Fall. Wenn ich aufs Geld aus ware, gabe

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