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ganz heiseren Stimme: „Man muB wohl aufmachen." Sein Gesicht sah alt und verfallen aus — fahl, mit hangenden Zügen—, und er hatte einen angewiderten Zug um den Mund, wahrend er das Bett verlieB und langsam durchs Zimmer ging. „Ich komme schon," sagte er zu dem Unbekannten, der sich drauBen immer heftiger bemerkbar machte. Aber Ernst sprach so leise, daB die Person vor der Türe ihn keinesfalls verstehen konnte.

„Du solltest dir etwas überziehen," mahnte Tilly, denn er stand nackt da — nackt und ein wenig zitternd vor dieser verschlossenen Türe, die zu öffnen er noch ein paar Sekunden lang zögerte. „Du wirst dich erkalten," sagte das Madchen im Bett. So verschlafen sie war — daB er zitterte, bemerkte sie doch, und sie sah auch die Gansehaut auf seinen Armen und auf seinem Rücken. Aber da hatte er die Türe schon aufgemacht.

Vor ihm stand ein Herr in dunklem Überzieher, mit steifem schwarzen Hut, einen hohen, blendend weiBen Kragen und schwarzen, blankgewichsten Stiefeln, die unter hellen Beinkleidern sichtbar wurden. Er trug eine gelbe Aktentasche unter dem Arm und sah aus wie ein übelgelaunter Geschaftsreisender.

Der Herr musterte, mit einem kalten, feindlichen Bliek durch den Zwicker, den nackten jungen Menschen, der ihm gegenüber stand. Die korrekte Figur des Herrn drückte von den Stiefelspitzen bis zum Scheitel MiBbilligung aus. Er stand einige Sekunden lang unbeweglich, und auch Ernst, der Zitternde, rührte sich nicht. Der Herr betrachtete, ausführlich und unbarmherzig, diese frierende Nacktheit. Er schien die Rippen zahlen zu wollen, die sich abzeichneten unter der gespannten Haut. Er miBbilligte das zerzauste Haar und das verstörte Gesicht

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