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lebendig werden lassen. Das vergessen wir Ihnen nie."

Marion beantwortete viele Briefe; vermied es aber, halb aus Scham, halb aus Tragheit, mit ihren Bewunderern persönlich in Berührung zu kommen. Manche waren von bemerkenswerter Insistenz. Als sie einen Monat lang in einem Prager Kabarett auftrat, gab es eine Dame, die ihr jeden Abend Blumen schickte: dreiBig kleine rote RosenstrauBe. Als das Engagement zu Ende ging, am 31. Januar endlich, schickte Marion dieser zahen Verehrerin einen Zettel ins Parkett: es würde ihr eine Freude sein, sich persönlich für die vielen schonen Blumen bei ihr zu bedanken. Drei Minuten spater war die Dame da und sah düster aus. Sie trug ein streng geschnittenes dunkles Kostüm und das glatte schwarze Haar sehr kurz geschoren. „Ich heiBe Emma von Barlow," sprach sie und verneigte sich knapp. „Von Beruf bin ich Bildhauerin. Ich möchte Sie modellieren, Marion von Kammer." Ihre Stimme tönte sonor und tief; auf der Oberlippe lag ein starker Flaum von brünettem Schnurrbart. „Ich möchte Sie modellieren," fuhr sie fort, ohne auf Marions Antwort zu warten, „ehe ich Europa verlasse. Denn hier bleibe ich nicht!" versicherte sie, fast zornig, als hatte jemand sie zurückhalten wollen. „Was soll ich noch in Europa ? Niemand interessiert sich mehr für Skulpturen. Europa ist fertig, aus, zu Ende — das weiB ich schon lang. Ich gehe nach Ekuador." Dies erklarte sie nicht ohne einen düsteren Triumph, und sie fügte leiser hinzu: „— Ganz allein." Geld habe sie gerade genug für die Reise und um ein paar Monate drüben auszuhalten, erklarte sie noch. „Dann wird man weitersehen." Das Leben in jener Gegend sei billig — hatte man ihr berichtet. „Ein reiches Land; keine Staatsschulden." Sie sprach fast drohend vor Sachlichkeit. „Ölschatze!" rief sie, als ob dies alles für sie

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