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wenig zerzaust; die Augen blickten sowohl schlafrig als erschrocken. „Was gibt es denn, Herr Korella ?" fragte sie mit einer merkwürdig leisen Stimme. Martin sah, daB ihre Hande etwas zitterten. Endlich konnte er weinen.

Martin weinte; es war, seit seiner Kindheit, zum ersten Mal. Er warf den Körper herum und preBte das nasse Gesicht in die Kissen. Es war ein sonderbares Gefühl, die Tranen-Nasse auf den Wangen und Lippen zu spüren. „Das ist gut," hörte er Schwester Rosa sagen, „weinen Sie sich nur aus, Herr Korella!" Er schamte sich, dem Madchen sein verzerrtes, nasses Gesicht zu zeigen; deshalb behielt er die Stirne gegen das Kissen gepreBt. Das Weinen war zugleich eine Entspannung und ein neuer Krampf. Es schüttelte den Körper, und nun tat es weh im Gesicht: die Augen schmerzten, und es schmerzte der verzerrte, klagend geöffnete Mund. ,Ich werde niemals mehr aufhören können zu weinen,' fühlte Martin. ,Mein Leben — alles was ich bin und je war, vergeht in diesen unendlichen Tranen..

Schwester Rosa, in ihrer Angst, verabreichte ihm mehrere beruhigende Tabletten — wozu Doktor Rüteli sie, für den Notfall, ermachtigt hatte. Martin, tranennassen Gesichtes, fiel in einen Dammerschlaf, der freilich nicht tief genug war, um seine Qualen ganz aufzuheben. Er spürte noch die Schmerzen und die groBe Traurigkeit — abgemildert; wie durch einen Nebel hindurch.

Als Rüteli um elf Uhr zur Visite erschien, fand er den Patiënt in festem Schlaf. Er untersuchte ihn flüchtig, und steilte, zu der aufmerksam, ja, devot lauschenden Nurse gewendet, fest: „Die somatischen Ausfallserscheinungen sind erstaunlich gering. Auch die Diarrhöe hat ja, vorlaufig, schon wieder aufgehört. — Ich gebe kein Opiat mehr," beschloB er

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