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machte er, und seine freundlichen alten Augen schauten schon wieder an ihr vorbei, durch sie hindurch, in eine Vergangenheit, die zugleich heiterer und würdevoller schien als eine Gegenwart, die Fröhlichkeit und elegante Form verloren hat. —

Tilly wuBte ungefahr, was ihr fehlte: in medizinischen Nachschlagewerken hatte sies festgestellt. Was nützten ihr die lateinischen Worte und die einpragsamen, etwas unappetitlichen Bilder ? — ,Ich bin verpatzt worden,' war alles, was sie begriff. ,Man hat mich kaputt gemacht. Ich werde nicht mehr gesund.' — Dann begriff sie auch noch: ,Im Grunde will ich gar nicht gesund werden.'

Die Schmerzen im Unterleib waren wohl nur Symptom und Ausdruck eines gröBeren, tieferen Leidens. Seitdem das Kind, welches Tilly nicht hatte bekommen wollen, entfernt war, fühlte sie sich noch viel betrübter als vorher, da sies „unterm Herzen" trug. Sie fühlte sich so betrübt, daB sie beschloB: Jetzt hat es aber wirklich keinen Sinn mehr! Ich muB sterben. — Den Ernst sehe ich niemals wieder, auch den Konni nicht. Beide sind vielleicht schon totgeschlagen worden. Ziemlich viel hatte ich mir von der Bekanntschaft mit H. S. versprochen — diesem unbekannten, mir doch so vertrauten H. S. Aus irgendwelchen Gründen scheint das Schicksal nicht zu wünschen, daB wir uns begegnen . . . Ich sterbe, etwas anderes bleibt gar nicht übrig. Ich habe nichts mehr, was mich halten könnte — nicht einmal ein kleines Kind; denn das durfte ich nicht bekommen. Ich weiB aber, wie ich mir Veronal verschaffen kann. Ich verschaffe mir Veronal. . . Der Mutter sage ich, daB ich auf zwei Tage nach Basel muB zu Bekannten. Ich gehe in das Hotel, wo ich damals mit dem Ernst gewesen bin. In das Hotel, wo die Polizei uns überrascht hat —: dorthin gehe ich ..."

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