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„Du muBt nicht traurig sein, daB ich weggehe, Marion. Es ist nicht so besonders schade um mich. Ich sage das ganz ohne Bitterkeit. Viel wichtiger ist, daB du lebst, und so bleibst, wie du bist. Glaube bitte nicht, daB ich das aus Bitterkeit sage! Ich bin zwar sehr traurig und furchtbar müde, und alles tut mir weh; aber ich bin gar nicht bitter. Du wirst tausend Sachen erleben, die ich nicht mehr erleben kann — oder mag. Du wirst auch sicher mal nach Deutschland zurückkommen, das wird sehr schön und aufregend sein, eine Art von groBem Fest, aber auch viel Arbeit; denn du wirst viel zu tun haben. Du hast viel auf dieser Erde zu tun, Marion. Ich habe nichts mehr auf dieser Erde zu tun — beinah nichts mehr. Deine Schwester Tilly."

Als Nachschrift fügte sie hinzu: „Vielleicht hatte ich diesen braven Schweizer, den Peter Hürlimann, heiraten sollen. Das ware noch ein Versuch gewesen, mich am Leben zu halten. Aber es ware kein guter Versuch gewesen. Ich hatte ihm das nicht antun können mit ihm zu leben, ohne ihn zu lieben. Er ist ein guter Mensch."

Nun war auch dieser Brief fertig — der letzte. Sie steckte ihn ins Couvert. Sie schichtete die Briefe sorgsam zu einem Haufchen. Der Zettel an die Wirtin lag obenauf. Dann stand sie auf und klingelte. Zu der Wirtin, die gleich erschien — als hatte sie vor der Türe gewartet — sagte sie: „Bringen Sie mir doch bitte eine Tasse Tee, Frau Barli." Sie war stolz darauf, daB sie den Namen der Frau jetzt wuBte. Die Wirtin erwiderte ernst: „Sicher, Fraulein." Das „ch" in „sicher sprach sie mit einem rauhen, langgezoeenen Kehllaut.

Die Wirtin ging. Tilly setzte sich aufs Bett und wartete. Sie dachte, wie müde ich bin, ehe ich noch das Veronal genommen habe, und sie schloB die

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