Geen zoekvraag opgegeven

Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

schwarzen Négligé, das zu ihrer starren, würdevollen Miene dramatisch witwenhaft wirkte. „Herr Hürlimann ?" Sie war die Dame von Welt: kühl und formvollendet. „Meine Tochter ist noch in Basel." — „Ach nein," sagte Peter. „Ach nein. Nicht in Basel." Da stand er — nicht beschwingt, ach, nicht der Bote mit den Flügelschuhen, ein plumper Herold der Trauer, die braven Augen verweint, und die Zunge, die das Schreckliche sprechen sollte, schien ihm im Munde zu schwellen. In der Faust aber, die er mühsam hob, hielt er Tillys Brief. Da begriff Frau von Kammer, wuBte alles; schrie auf, taumelte und langte nach dem Papier wie nach einem Halt. „Was ist geschehen?" brachte sie hervor; aber dies war wieder nur floskelhaft, nach ihrer konventionellen Art. Sie empfand, bei allem Jammer: eine solche Frage war nun am Platze. Ach, sie wuBte ja, was geschehen war.

Den Brief in der Hand, stand sie dem Unglücksboten gegenüber — nun wieder starr, den Mund geöffnet zu einem Jammerlaut, der stumm blieb. Der klagend aufgerissene Mund — schwarze Öffnung in der weiBen Starrheit der entstellten Miene — gab dem Antlitz der Mutter das Aussehen einer tragischen Maske. Peter erinnerte sich, daB Tilly, wenn sie sehr traurig und sehr betroffen war, auf ganz ahnliche Art den Mund geöffnet hatte. Vom Schmerze geschlagen wie von einer Faust, glich Frau von Kammer zum ersten Mal ihrer Tochter.

„Kommen Sie!" bat sie heiser — denn sie und der Unglücksbote standen immer noch vor der offenen Türe der Wohnung. Und sie zerrte den jungen Mann, der Tilly geliebt hatte, mit einer Gebarde, die durch ihre Heftigkeit fast unzüchtig wirkte, in den dammrigen Flur.

Tilly ist tot, niemand kann ihr mehr helfen, nie-

Sluiten