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Figuren: alte Weiber oder ausgemergelte Manner — die Gesichter unbeweglich in die Hande gestützt oder die Köpfe nervös hin und her wendend, als lauschten sie in die Ferne, aus der irgendeine angenehme Botschaft überraschend kommen könnte. Indessen war nichts zu horen als die mürrische Stimme eines Mannes, der hinter einem Schalterfenster stand und von dort aus speckig abgegriffene Pappschilder mit Nummern verteilte. Auch Abel sollte eine bekommen; erklarte aber: ,,Ich habe eine persönliche Verabredung mit Ihrem Chef. Ich nehme an, er wünscht mich gleich zu sehen." Der Beamte erwiderte nur: ,,Warten Sie!" Machte jedoch keineswegs Miene, Namen oder Wunsch des Professors an irgendeine andere Instanz weiter zu leiten.

Benjamin hatte MuBe, sich seine Umgebung genauer zu betrachten. Neben dem Schalter hing ein groBes Schild, auf dem stand in fetten Lettern zu lesen: „Absolute Ruhe! Vermeidet politische Gesprache! Sie könnten belauscht werden und AnlaB zu Gerüchten geben, die uns schaden!" Übrigens sahen die Unglücklichen, die sich hier drangten, durchaus nicht aus, als hatten sie Lust, über die Weltlage zu debattieren. Ihre eigenen Sorgen waren gar zu groB; für die allgemeinen blieb ihnen kaum Interesse. Sie unterhielten sich, trotz der warnenden Tafel — freilich mit angstvoll gedampften Stimmen und nur über ihre tristen Privat-Affaren. Benjamin unterschied mehrere deutsche Dialekte; * auch östliche Idiome kamen vor: polnisch, ungarisch, tschechisch, rumanisch. — ,,Nach England ist überhaupt nicht mehr reinzukommen!" behauptete pessimistisch einjunger Mann. Einanderer sagte:,,Ichwarte schon seit zweieinhalb Jahren auf mein französisches Visum." Der Verdacht lag nahe, daBerwahrend all dieser Zeit nichts getan hatte, als eben auf das französische

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