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ZWEITES KAPITEL.

Marion machte die Überfahrt von Le Havre nach New York auf einem mittelgroBen französischen Dampfer, in der Tourist-Class. Die Reise langweilte sie. Sie war enttauscht vom Meer, das sie von den Ufern aus so sehr geliebt hatte. Das Grenzenlose war öde. Der runde Horizont ermüdete den Bliek; die kahle GröBe der Wasser-Landschaft, die tote Majestat der Unendlichkeit war geeignet, ein bedrücktes Herz erst recht traurig, beinah hoffnungslos zu stimmen.

Sie versuchte, sich zu zerstreuen. Die Bücher, die sie für die lange Reise mitgenommen hatte, lieB sie unten in der Kabine liegen; abends, vor dem Einschlafen, las sie in ihnen; tagsüber ging es nicht: sie war zu nervös, konnte sich nicht konzentrieren. Am ehesten gelang es ihr, die unruhig zerstreuten Gedanken zu sammeln, wenn sie mit Menschen sprach. Sie war gesellig; spielte Ping-Pong mit Studenten aus dem amerikanischen Mittelwesten; flirtete mit einem französischen Grafen, der durch soignierten Spitzbart und Monokei auffiel; schwatzte über Hüte und Parfüms mit einer lustigen kleinen Pariserin — über die politische Situation mit einem jungen Rechtsanwalt aus London; sie freundete sich mit einem deutschen Emigranten an, der in Berlin Schauspieler gewesen war — „aber kein besonders guter!" wie er munter gestand —, und in New York Kellner werden wollte; und sie argerte sich über ein Ehepaar aus Frankfurt am Main, Siegmund und Marta Meyer, wéil sie ihr erklarten: „Wir sind selber Nichtarier; aber man muB doch objektiv sein und zugeben: in vieler Hinsicht ist der Antisemitismus berechtigt. Die deutschen Juden sind zu frech gewesen, besonders in Berlin, wir in Frankfurt haben das nie gebilligt, diese arroganten Typen, Journa-

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