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wegung der Schultern. „Alles wird total verandert sein — unheimlich fremd geworden . . . Die StraBen, die Gesichter — alles . . . Vor allem die Gesichter, natürlich." Der Gepacktrager war verschwunden. Mehrere Reisende drangten zum Perron. Der Zug nach Chicago muBte bald fahren. „Ich fürchte mich davor, in Deutschland Menschen wiederzusehen, die ich früher gekannt habe," sagte Marion.

„Ich auch," saget Benjamin. „Deshalb möchte ich nicht zurück."

Sie redete weiter: „Wir sind so sehr abgeschnitten von Deutschland — es beunruhigt mich oft. Natürlich, wir bekommen Berichte; wir haben Freunde, Verbindungsleute, die uns alles erzahlen, was drinnen vorgeht. Aber genügt es ? — Ich weiB doch nicht, ob es völlig genügt... Vielleicht entgeht uns das Wesentüche. Wir können uns vielleicht die Athmosphare im Reich gar nicht mehr vorstellen. Unter dem Druck dieser Athmosphare bilden sich dort vielleicht Charaktere, die wir kaum begreifen; formieren sich Fronten, von denen wir ausgeschlossen bleiben . .

„Ich glaube nicht," sagte er. „Ich glaube nicht, daB wir viel versaumen. Wir kennen doch Menschen, die noch Jahre lang im Dritten Reich gelebt haben. Sind sie um eine bedeutende innere Erfahrung reicher als wir ? Ich habe die Meisten seelisch ausgehöhlt, geschwacht, fast erledigt gefunden. — Das Dritte Reich hat eigentlich keine Realitat. Ihm fehlen alle Elemente der GröBe — selbst im Negativen. Es ist durch und durch journalistisch. Seine Basis ist das Schlagwort; die Propaganda — die für sein Entstehen die Voraussetzung war. Das Leben verödet, es verliert seine Inhalte, seine Substanz. — Es wird niemals ein groBes Epos über Nazi-Deutschland geschrieben werden," versicherte er mit überraschender Dezidiertheit. „Nicht einmal ein groBes Epos der Anklage — wenn

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