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Glaube und ihr Zweifel hatten sich entwickelt. Früher waren sie vielleicht weichlich und faul, unwissend und sentimental gewesen. Das Exil — die harte Schule, durch die sie gingen — hatte sie zu Menschen geformt. Ihre veranderten, geprüften Herzen waren sowohl empfindlicher als auch entschlossener geworden.

Helmuth Kündinger — um nur irgendeinen zu nennen — ware in Deutschland ein pedantischer Schwarmer, ein provinzieller Schöngeist geblieben. Zur Emigration zwang ihn niemand — nur der Schmerz um seinen Göttinger Freund. Als wir ihn kennenlernten — Frühling 1933, auf derTerrasse des Café Select — wuBte der arme Junge noch nichts von den Harten und den groBen Möglichkeiten dessen, was ihm bevorstand. Er war schüchtern und ahnungslos — das Gesicht durch Pickel entstellt; den Kopf voll Stefan George-Zitaten. Jetzt sendet er aus China exzellente Berichte an sein Pariser Blatt. Alles, was er schreibt, ist sachlich, prazis, dabei mit journalistischem Schwung formuliert. Kündingers französischer Stil ist klarer und eleganter, als sein deutscher es in Göttingen je geworden ware. Bei all dem ist ihm nichts von bleichem Ehrgeiz anzumerken. Die Kollegen mögen ihn: er ist ein guter Zechkumpan, anspruchsloser Causeur, liebenswürdiger Zuhörer. In Shanghai trinkt er Whisky und Soda mit den Jungens von der amerikanischen Presse. Wer aber ist der soignierte WeiBhaarige, der sich, mit der Miene des Hausherren und Gastgebers, zu ihnen gesellt? Mit Vergnügen erkennen wir ihn: Bobby Sedelmayer, den charmanten Unverwüstlichen!

Es ist nicht Bobbys Art, zu klagen oder zu renommieren; eher möchte er den Eindruck des stets-Leichtsinnigen machen, dem kein Schicksalsschlag etwas anhaben kann. Er erzahlt nicht, oder nur ungern, von der ersten schweren Zeit in Shanghai. Hat er wieder

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