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Gewaltige lebt und nichts ist gewaltiger als der Mensch" in der griechischen Fassung des Verses von Sophokles.

Heute wundert man sich, dass die Deutschen so lange den Geist ihrer Romantik vergessen konnten, obwohl die Lieder der Romantiker fortlebten und vom Volke gesungen wurden. Lag es daran, dass die Romantik so gefühlsbetont war, und dass in einer Zeit, die geblendet von den „Wundern der Technik" den Verstand verabgottete, Romantischsein für eine Art seelischer Krankheit galt? Hatte man deswegen diesen Jungens, Söhnen von Kleinbauern, Handwerkern, Gewerbetreibenden und des daraus hervorgegangenen mittleren und kleinen Beamtentums, gesagt, dass sie Romantiker waren, so hatten sie dagegen protestiert. Sie fühlten sich Pioniere. Und waren es auch, obwohl sie romantisch waren. Die Umwalzung der alten Lehrplane, ja der gesamten Padagogik stand ihnen noch bevor.

Als der erste Wandervogelstudent — Georg Werle hiess er — als Studienreferendar am Darmstadter Ludwig-Georgs-Gymnasium das Klassenzimmer der Untertertia betrat und ihn zwei Jungens, die am Sonntag zuvor mit ihm „auf Fahrt" gewesen waren, mit „Heil Georg" begrüssten statt aus der Bank zu treten und stramm zu stehen, drohten die Mauern des alten Gebaudes am Kapellplatz einzufallen. Der Geist Diltheys, des grossen Reformators der humanistischen Gymnasialbildung schwebte über dem Haus. Seinem Andenken war auf dem Schulhof eine Kastanie gepflanzt. Sie war ein ehrwürdiger Baum mit dickem Stamm und breiter Krone geworden. Als Bonifatius die Donnareiche fallte, kann nichts Fürchterlicheres passiert sein als damals, als im Schatten der DiltheyKastanie durch den „Heil"-Ruf zweier Untertertianer die alte Schulordnung zusammenbrach.

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