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bizarren Untergesicht mit willenlosem fliehenden Kinn und schlappen Zügen eine machtige Denkerstirne, die zu der anderen Gesichtshalfte gar nicht passt. Es ist dieselbe hohe Stirn, die man über dem edleren Gesicht des Grüblers Friedrich Hebbel und noch spater in dem, immer etwas posierenden, „Olympierkopf" Gerhart Hauptmanns und schliesslich, harmonisch eingebaut, im Gesicht Stefan Georges wiederfindet und die so typisch für die deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts ist. Das hat auch Meijer bereits erkannt.

Dieses disharmonische Gesicht Grabbes, aus dem nicht mehr die edle Harmonie Fühlens und Denkens der grossen Klassiker und Romantiker wiederstrahit, kennzeichnet seine Persönlichkeit. Als er, von Gönnern zum Studium der Jurisprudenz bestimmt, von Leipzig nach Berlin übersiedelte, zogen ihn nicht Savigny, der grosse Rechtsgelehrte und von Raumer, der grosse Historiker, an, obwohl er sich bei seinem Studium besonders auf die historischen Facher der Rechtswissenschaft verlegt hatte. Er hoffte vielmehr Zugang zu den literarischen Salons der Hauptstadt zu finden. Denn er gefiel sich sehr in der Rolle des Genies.

Aber mit den Umgangsformen der feinen Welt nicht vertraut, landete er in jenem Kreis, den E. T. A. Hoffmann in der Weinstube von Lutter und Wegner begründet hatte. Hier lernte er auch Heinrich Heine, mit dem er sich spater für immer verfeindete, kennen.

In seinen Memoiren erzahlt Heine ergötzlich, wie er das Manuscript von Grabbes Erstlingsdrama „Herzog von Gothland" Frau von Varnhage brachte, „um ihr die Primeur eines Dichters zu verschaffen", wie diese ihn aber gegen Mitternacht rufen liess und beschwor, das entsetzliche Manuscript wieder zurückzunehmen,

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