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die bewegte Klage der anderen gewesen. Wahrend des Krieges jedoch war es unmöglich, episch oder dramatisch gestaltete Zeitprobleme zu publizieren oder gar aufzuführen. Da kommandierte der preussische Korporalstock den Chor der Musen und der quastengezierte Stock des Tambourmajors gab den Takt dazu an. Wer sich nicht kommandieren lassen und nicht im Gleichschritt mitmarschieren wollte, dem wurden „die Hammelbeine langgezogen" und der Mund verbunden. Harteste Strafe war, an die Front geschickt zu werden, an der für das Vaterland zu streiten doch eigentlich eine hohe Ehre hatte sein mussen. Auszeichnung für den linientreuen Kriegsdichter dagegen war, zum Bildungsstab der Division oder gar des Armeekorps versetzt zu werden und die Redaktion einer Soldatenzeitung zu leiten. Dort durfte er dichten, wie dem Kriegspropagandaamt der Schnabel gewachsen war, so viel er wollte und je mehr desto besser. Dagegen konnten Fritz von Unruhs dramatisches Gedicht „Vor der Entscheidung", das in Frühjahr 1915 bereits gedruckt war, und sein Drama „Ein Geschlecht" erst im Winter 1918 erscheinen, da die Kriegszensur ihr Erscheinen verhindert hatte.

Unter der Uniform, dem nivellierenden Kleidungsstück der Einförmigkeit, trug der Soldat ein kleines Blechstück an einer Schnur um den Hals. In das Blechstück war eine Nummer eingraviert. Diese Nummer — und nicht mehr — war der Soldat für die Verwaltung. Wenn die Nummer in der Stammrolle ausfiel, d.h. wenn der Soldat gefallen war, wurde ihm die Nummer abgenommen und zur Kompagnieschreibstube zurückgeschickt, damit der Schreiber Ersatz dafür anfordern konnte. Aber unter der Uniform schlug auch dem Soldaten das alte menschliche Herz. Einsam waren die Herzen in vierundeinhalb Kriegsjahren geworden.

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