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anderen Platze zu befördern und in Massenversammlungen in den Bann von Rednern zu bringen, die Literatur und das Theater noch eine so grosse Rolle spielen, dass man von ihnen auf den geistigen Zustand eines Volkes schliessen kann. Darum muss zunachst eine Feststellung gemacht werden.

Die Literatur hat im Leben der Deutschen in den letzten zwei Jahrhunderten eine besondere Rolle gespielt. Seit Lessing, Herder und Winckelmann kann man von der deutschen Literatur wie von der keines anderen Volkes den Stand des Ringens um die nationale Einheit und den Geisteszustand der Deutschen ablesen. Wahrend andere Völker sich der Schönheit ihrer Literatur und ihrer Harmonie von Form und Inhalt erfreuten, war für die Deutschen die Literatur das Schlachtfeld, auf dem ihre geistigen Vortruppen den Kampf um die Nation führten, die sie noch nicht waren. Das Theater musste nach Schillers Auffassung eine „moralische Anstalt" sein. Die Bretter dieser „moralischen Anstalt" bedeuteten ihm die Welt. Und von diesen Brettern rief er den Deutschen im „Wilhelm Teil", seinem gegen Napoleon gerichteten Zeitdrama, zu: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht mit Freuden alles setzt an ihre Ehre!"Es gleicht einer Don-Quichotterie, wenn man daran denkt, dass in der deutschen Realitat viele Fürsten zur selben Zeit sich durch Vertrage mit dem Eroberer jene Vorteile zu verschaffen suchten, die ihnen zuvor der Verkauf ihrer Landeskinder eingebracht hatte.

Schiller hat einmal seine Geistesart spekulativ genannt, wahrend die Goethes intuitiv sei. Denn Goethe steige von Individuum zur Idee auf, er dagegen von der ihm zuerst gegebenen Idee zum Individuum herab. Diese Zweiheit findet man in der ganzen deutschen Literatur des letzten Jahrhunderts. Von der wechselnden

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