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Aber in allen Stücken Wedekinds bleibt es bei dieser Fanfare. Hinter dem in abrupten Wortgebilden hinjagenden Dialog verbirgt sich nicht, wie manche dem Dichter zeitgenössischen Kritiker geurteilt haben, „innere Kraft der Gestalten" sondern ein Mangel an zentralem Gefühl, das den Seelen die Balance und den Worten Beruhigung gibt. Wedekind ist ein Stürmer und Dranger gewesen. Er hatte gerne auch ein Vorlaufer sein mögen. Aber er stürmte und drangte planlos. Er blies Alarm, weil er immer „dagegen" war, namlich gegen die bürgerliche Moral. Aber statt vorzulaufen verlief er sich in den Randbezirken der bürgerlichen Gesellschaft. Und so wenig die verwilderten Hauskatzen echte Wildkatzen sind, so wenig sind die verwilderten Bürgermenschen echte wilde Menschen.

Wedekinds zeitlicher Erfolg beruhte deswegen nicht auf dem künstlerischen Wert seiner Dramen sondern auf ihrer kulturpolitischen Tendenz. Die dramatischen Konflikte dieser Zeitdramen kamen aus der Zeit als ihre Menschen aus der Zeit kamen.

Sternheim plakatierte in seinen „Komödien aus dem bürgerlichen Heldenleben" die hohlen Phrasen gieriger Spiesser. Da seine Figuren keine Menschen in naturalistischen Sinne sondern erfundene Typen eines Satirikers waren, sprachen sie auch nicht die dem natürlichen Leben abgelauschte Sprache. Sternheim liess sie vielmehr in einer Sprache sprechen, die er für sie erfunden hatte. Erbarmungslos spielte er mit seinen Figuren. Er verhöhnte sie, indem er sie handeln liess. Und dabei demaskierte er sie gleichzeitig mit seiner Sprache Christian Maske nannte er den Helden seiner Komödie „Der Snob", einen Proleten, der sich zum Kapitalmagnaten hocharbeitet. Aber Sternheims Kraft war erschöpft, als er die verschiedenen Typen auf-

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