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gespiesst hatte. Nach der Komödie „Tabula rasa", in der er die proletarisch-kleinbürgerliche Welt der Arbeiterbewegung wie zuvor die bürgerliche Welt verspottete, hat Sternheim nur noch historische Stoffe bearbeitet, um schliesslich in „Oscar Wilde" sich insofern wieder der Zeit zu nahern, dass er in der Dramatisierung des Sittenskandals umWilde damals noch lebende Personen wie den Lord Douglas auf die Bühne brachte.

Sternheims Kritik am Bürger ist absolut negativ gewesen. Er höhnte nur, steilte aber keine neuen sittlichen Forderungen auf. Darum verbinden ihn wie den ewig rasonierenden Wedekind mit der jungen Generation höchstens formale Aeusserlichkeiten und die gegen den Bürger ger ichtete Tendenz. Eher kann man ihn einenVorlaufer des „Denkspielers" Georg Kaiser nennen.

Kaiser, in den ersten zehn Jahren der Republik wohl der am meisten gespielte deutsche Dichter war schon vor 1933 wieder ganz aus der Mode gekommen. In der Form am konsequentesten expressionistisch von allen Dichtern der damalig jungen Generation passte er sich auffallend schnell — er schrieb zwei, manchmal drei Stücke in jeder Saison — den wechselnden Strömungen an. Am Ende war aus dem sozialkritischen Pathetiker von „Hölle, Weg, Erde" und Verkünder einer neuen sozialen Erlösungslehre in „Gas", ein Satiriker geworden, der in „Kolportage" den Blut- und Rassenwahn verspottete. Man tut Georg Kaiser kein Unrecht, wenn man ihn den Modeschriftsteller des Expressionismus nennt.

Will man den wahren dramatischen Impuls der Republik der vierzehn Jahre erkennen, so muss man durch die expressionistische Form des Dramas in den ersten sieben Jahren hindurchsehen. Man entdekct dann in den Inhalten jene machtigen Strömungen, von denen im Anfang dieses Kapitels die Rede war.

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