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erhoben. Sie waren im politischen Leben meist Anhanger der linksradikalen Parteien oder Gruppen, im praktischen Leben Spezialisten: Advokaten, Aertze, Richter, Strafvollzugsbeamte. Sie steilten Probleme der menschlichen Zusammenlebung beleuchtet von dem Licht ihrer Weltanschauung zur Diskussion. Sie verengten die Bühne, die in den Zeiten des ekstatischen Theaters im Beginn der Republik der vierzehn Jahre der ganzen Menschheit Platz gegeben hatte, so sehr mit ihren Szenen aus dem Leben der durch die bestehenden Konventionen nach ihrer Auffassung Unterdrückten, dass sie ihn zugleicherzeit sprengten. Denn da die von ihnen beabsichtigte Wirkung nicht die Erschütterung der Zuschauer durch das aesthetische Gebilde des Kunstwerks sondern die Auslösung einer politisch gefarbten Diskussion war, liessen sie haufig Vor- und Zwischenspiele sich im Parkett abspielen. Darin waren nicht Schauspieler sondern Zuschauer: Aerzte, Advokaten, Bürger und Proletarier die „handelnden", d. h. die sprechenden Personen. Mit dem klassischen Theater hatte dieser Gebrauch der Bühne zu politisch-weltanschaulicher Propaganda nichts mehr gemein. Das Theater war Waffe geworden in Kampf um die Macht. Der politische Leitartikler und der Reporter hatten dazu „Stellung zu nehmen" nicht der Kunstkritiker. Gegen „Revolte im Erziehungshaus", ein Stück von Martin Lampei, das Misstande im Fürsorgewesen behandelte, protestier te der Landeshauptmann der Rheinprovinz. Die Aufführungen gingen nach Protesten der „Gegenseite",in denen Gedankenfreiheit in Namen der Demokratie gefordert wurde, doch durch. Daraufhin lud der Landeshauptmann schliesslich nicht die Kunstkritiker sondern die Reporter der Tageszeitungen zu einer Inspektionsreise durch die Fürsorgeerziehungsanstalten ein, damit sie sich über-

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