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jede Erschütterung des deutschen geistigen Lebens an wie ein Seismograf die Erdbeben. Man muss die Geschichte des Deutschen Geisteslebens kennen, um zu erkennen, wie die nationale und romantische Welle, die sich heute über Deutschland ergiesst, sich im Spielplan des Düsseldorfer Schauspielhaus schon in der Republik der vierzehn Jahre ankündigte. Strindbergs individuelle Selbstqualereien verschwanden. Ibsens sozialkritische Stücke traten in den Hintergrund gegenüber seinen grossen Dichtungen „Brandt", ,,Kaiser und Galilaer",PeerGynth".In denVordergrund aber traten neben den Werken deutscher Autoren: Werfels, .Spiegelmensch",KarlHauptmanns,,GauklerTod und Juwelier", Kolbenheyers „Heroische Leidenschaften" zuerst Shakespeares Königsdramen und spater dessen anderen Stücke.

Grade diese sich andernde Einstellung zu Shakespeare ist besonders charakteristisch.

Nachdem Lessing, durch Voltaire auf Shakespeare aufmerksam geworden, den grossen Briten für die Deutschen entdeckt hat, ist deren jeweilige Einstellung zu Shakespeare symptomatisch für ihr geistiges Leben gewesen. Die Vorlaufer und Wegbereiter des Klassizismus sahen in Shakespeare, wie Mehring es ausgedrückt hat, „das grosse Muster, das dem französischen Kunstgeschmack zur Beschamung vorgehalten wurde". In den „Briefen die neueste deutsche Literatur betreffend" und in der „Hamburger Dramaturgie" hat Lessing dargelegt, warum sich die deutschen Dichter mehr an Shakespeare als an den französischen Dichtern ein Vorbild nehmen müssten. Welchen Einfluss Shakespeare auf Goethe und Schiller gehabt hat, ist so bekannt, dass ich nicht darüber zu schreiben brauche. Gleichzeitig aber fühlten sich auch die Romantiker durch Shakespeare machtig angezogen. Die deutschen Romantiker haben die bürgerlichen Klassiker am heftigsten

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