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bekampft. Sie liebten in Shakespeares Werken grade das, was die Klassiker abgelehnt hatten: die „mondbeglanzte Zaubernacht" des Mittelalters. Der romantische Shakespearekultus, der in der ersten Halfte dem klassischen Shakespearekultus folgte, entlockte dem alten Goethe den Ausruf: „Shakespeare und kein Ende" und die Prophezeiung, dass in wenigen Jahren Shakespeare ganz von der deutschen Bühne verschwunden sein werde. Aber Goethe war ein schlechter Prophet gewesen. Nach 1848, d.h. nach dem klaglichen Zusammenbruch der deutschen bürgerlichen Revolution, lebte der Shakespearekultus neu auf. Es war der Shakespeare der grossen historischen und politischen Aktionen, mit dem sich die in ihren politischen Erwartungen enttauschten Deutschen trösteten. Dabei hatten sie am liebstenihreeigene klassieke Epoche vergessen. Gervinus, steilte wie Mehring es ausdrückt, „im Katzenjammer der Gegenrevolution" die These auf, Shakespeare verdiene vor Schiller und Goethe den Vorrang, da er ihre Vorzüge besitze aber frei von ihren Fehlern sei. Aber auch die Hegeliansche Aesthetik pries Shakespeare vor Schiller und Goethe. Ihr Reprasantant Vischer kam zu dem Schluss: Goethe habe sich nur in den niedrigen Stoffen bewegt, die auf dem Boden des Privatlebens standen, aber diese mit vollendeter Kunst und Wahrheit behandelt, Schiller habe die höheren, die politischhistorischen Stoffe ergriffen, aber sie ungenügend und allzu subjektiv behandelt, dagegen behandle Shakespeare die historischen Stoffe mit der gleichen Meisterschaft wie Goethe die niedrigen.

Nachdem diese Shakespeareverehrung nach dem dreihundersten Geburtstag des Dichters im Jahre 1864 abgeebbt war, hatten zu Beginn unseres Jahrhunderts Louise Dumont und Gustav Lindemann Shakespeare's Dramen in Spielplan ihres Theaters einen Ehrenplatz ein-

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