Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

36

zur Geltung kommen laszt, der Fall — so ist der Mittelwortfügung jeder Satzwert abzusprechen: denkend ist dann nicht viel mehr als ein Füllwort, die pradizierende Kraft musz in redlich liegen. *)

Fühlt aber der Hörer sich durch Zusammenhang und Betonung angeregt, auch eine flüchtige Verbindung mit dem Pradikat „verschmaht*' herzustellen, wie H. Annema (ebendort 8), so erhalt die Aussage occasionelle Bedeutung, und kann die Mittelwortfügung in einen hyp. Nebensatz auf gelost werden: ein Mensch verschmaht die Tauschurig, wenn er redlich denkt, oder: ein Mensch, wenn er redlich denkt, verschmaht die Tauschung.

Diese Auseinandersetzung führt uns auf einen für unsre Untersuchung wichtigen Punkt. Ich will versuchen diesen etwas eingehender zu behandeln, und nehme als Ausgangsptinkt das attributiv gebrauchte Adjektiv. BekanntHch besitzt das Adiektiv, indem es einem Substantiv eine Eigenschaft beilegt, oft zugleich die Fahigkeit, eine kausale Beziehung zu den übrigen Satzteilen zu bewerkstelligen. In dem Satze H. Paul, Gr. IV, § 41 ich sagte ihm meine Meinung, aber der schwerhörige Mann verstand mich nicht, wird dem ahnungslosen Leser das begründende VerhlTtnis erst nachtraglich klar, die Voranstellung des Adjektivs nimmt hier die pradizierende Nebenfufiktion gleichsam unbemerkt vorweg. Die Schriftsprache verfügt aber auch über ein Mittel, die Beziehung auf das Pradikat nachdrücklich hervorzuheben: aber der Mann, schwerhörig wie er war, verstand mich nicht. Durch das Komma, die Nachstellung und den begründenden Nebensatz gewinnt das Attribut eine gröszere Selbstandigkeit. Der Zusatz wie er war ist nöfig, weil das „kahl" stenende Adjektiv im D. nicht üblich ist. Hat es eine Erganzung, wodurch es eignen Satztakt bekommt: Von Ertzum, l a n g s a m von Verstandnis, lauschte noch immer (H. Mann, Prof. Unrat, Leipzig o. J., S. 6) so kann er entbehrt werden. Schon Blatz hat im 2. Bande seiner Nhd. Gr. 3 § 32 u. 35 auf diese Erscheinung Rücksicht gen ommen. Er unterscheidet Satzglie-

1) Man versuche einmal, 'diese Verbindung ins Franz. zu übersetzen. Mit pensant ist hier nichts anzufangen. Das Beste ist wohl un homme de bonne foi. Für den verblaszten Begriffsinhalt von denken erinnere ich an ndl. weldenkend, anders denkend gegemlber nadenkend, onnadenkend und verweise auf die Vollverba sein, b l e i b e n, st ehen, si t z e n, lallen, u. dg!., die oft ganz kopulativ geworden sind.

Sluiten