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ZUR GEOGRAPHIE DES ARLBERGS

VON

Prof. Dr. JOH. SÖLCH (Innsbruck).

Bekanntlich werden die Ostalpen unter anderm durch zwei inneralpine Langstalfluchten gegliedert, die beide für den W—O-Verkehr grosse Bedeutung haben, deren verkehrs-, kriegs- und pohtischgeographischer Wert aber im Laufe der Jahrhunderte mit dem Wechsel der Verkehrsmittel und den Fortschritten der Verkehrstechnik sowie mit dem Wandel der pohtischen Gestaltungen gewissen, und zwar nicht unerhebhchen Schwankungen unterworfen war. Es ware ungemein reizvoll, diese Veranderungen von den entferntesten Anfangen her, soweit sie der Betrachtung überhaupt zuganghch sind, zu verfolgen und naher zu zeigen, wie sich in der ganzen Erstreckung der südlichen Langstalflucht bereits ein höheres Kulturleben mit grosseren Siedlungen und regerem Verkehr entwickelt hatte, wahrend in der nördhchen noch wirrer Urwald die düsteren Talgründe erfüllte, soweit sie nicht der Verschüttung murender Wildwasser preisgegeben waren, mögen auch an einigen Stellen schon in dammernder Vorgeschichte begehrenswerte Schatze des Bergbaus den Menschen in jene Einöden gelockt und z. B. auf den sonnigen Terrassen des Tiroler Unterinntals einfache Wohnstatten den ersten Ansiedlern Obdach und primitiver Feldbau Nahrung geboten haben. Es ware reizvoll und nützlich zugleich, die Umgestaltung von Land und Leuten unter der Einwirkung der Römerherrschaft zu beobachten und im Schicksal dieser Gegenden wahrend der grossen Völkerwanderung die geographischen von den nicht geographischen Motiven zu sondern; oder zu zeigen, wie spater das Erzbistum Salzburg seinen Bereich nach allen Richtungen ins Gebirge hinein ausdehnte, vom Ziller im W bis ins mittelsteirische Hügelland im O, wahrend es mehrfach sogar über den Hauptkamm der Zentralalpen ausgiebig nach S übergriff; wie aber daneben im W die Brennerstrasse, im O der Semmering die beiden Abdachungen pohtisch vereinigte und die so entstandenen Gebilde zuletzt durch das 284

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