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EINLEITUNO.

Nachdem Karl Müllenhoff im Vorwort zur zweiten Auflage seiner „Denkmaler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII. bis XII. Jht." zum ersten Mal auf die Bedeutung der böhmischen Hof-und Kanzleisprache und nach ihm Ernst Wülcker 1879 im 9. Bande der Zeitschrift des Vereins für thürkigische Oeschichte in seinem grundlegenden Aufsatz : „Zur Entstehung der kursSchsischen Kanzleisprache" vor allem auf die Bedeutung der Kanzleisprache Kaiser Karls IV. als Orundlage zu einer deutschen Schriftsprache hingewiesen, hat die Frage, inwiefern denn tatsachlich diese kaiserlich-böhmische Kanzleisprache und die spatere allgemeine Schriftsprache zusammenhangen, die Forscher nicht mehr losgelassen.

Trotz dieser langjahrigen Forschung ist es jedoch nicht gelungen allgemein anerkannte Resultate zu erzielen. Noch im Jahre 1911 muB Behaghel in seiner Geschichte der deutschen Sprache (S. 66) erklaren : „Inwieweit die kaiserliche Kanzleisprache (d. h. auch die der Habsburger) mit der deutsch-böhmischen Kanzleisprache zusammenhangt, ist noch nicht genügend geklart." Und Hermann Paul leugnet sogar jeden Zusammenhang zwischen •Schriftsprache und böhmischer Kanzleisprache, vgl. seine „Deutsche Orammatik" (1916) Bd. I. § 147: „Es laBt sich kein geschichtlicher Zusammenhang zwischen beiden nachweisen, wie er gewöhnlich angenommen wird".

Paul begründet seine Aussage durch den Hinweis auf die Tatsache, daB „unter den Habsburgern die Sprache der kaiserlichen Kanzlei wieder einen wesentlich bayrischen Charakter

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