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par Sligk, miles Cancellarius", letzteres „ad mandatum proprium domini imperatoris Vlricus Weltzli, cancellarius". Beide haben aber auch gemein, daB sie in einer von der Sprache ihrer Kanzlei ganz abweichenden Form geschrieben sind. Der Kanzier Sligk selbst hat die Urkunde nicht geschrieben. Er schreibt eine ganz andre Sprache; vgl. sein eigenhandiges Schreiben bei Janssen a. a. O. I Nr. 671. Bei dem Kanzier Weltzly ist dies wahrscheinlich.

Diese Abweichungen von der Kanzleisprache in von dem Kanzier selbst unterfertigten oder geschriebenen Urkunden in beiden Kanzleien beweisen, daB bestimmte Vorschriften betreffs der Sprache in den kaiserlichen Kanzleien Siegmunds und Friedrichs II!. nicht existierten und daB die Beamten, welche die Konzepte anfertigten, ihren heimatlichen Dialekt anwenden konnten.

Prof. Outjahr gibt für die abwechselnde Anwendung der alten Langen und der nhd. Diphthonge in der Kanzleisprache eine von sozialen Oesichtspunkten ausgehende Erklarung und sucht den Orund dieser Erscheinung nicht in der verschiedenen Heimat des Kanzleipersonals. Er sagt in seinem Werke „Die Urkunden deutscher Sprache in der Kanzlei Karls IV". (Leipzig 1906) S. 14 : „die kaiserliche Sprache zeigt sich als die patrizische Mundart des sechsischen schöffendeutschen Rechtes, die innungsdeutsche Idiome zulaBt (ei, au, eu), ohne jedoch mit der noch strenger aristokratischen Form der früheren Jahrhunderte, dem schöffendeutschen (i, ü, ü) modus dictandi schroff und durchaus zu brechen Vielmehr wurden beide Formen der aristokratischen sechsischen Wortund Schriftsprache, sowohl die strenger aristokratische, s c h ö ffendeutsche Manier als auch die milder aristokratische, i nnungsdeutsche Art, ein mit Vorsicht und Oeschick angewandtes Mittel der kaiserlichen Diplomatie". Und weiter (S. 26 FuBnote): „Je in Rücksicht auf den Empfanger wahlt der kaiserliche Diktator die schöffendeutsche Form bei den alt-freien, die innungsdeutsche Form aber bei neu-freien Herren. Manchmal spielen auch beide Formen durch einander und zwar dann, wenn die Interessen der Altfreien und der Neufreien gleicherweise in Frage kommen."

Mit dieser Erklarung ist für die Kanzlei Sigmunds nichts anzufangen. Waren in der Tat die alten Langen nur Merkmale einer

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